Himmel & Hölle

Ein Besuch im Fege – Foyer
Predigt zum GoSpecial* in Pöttmes
von Pfarrer Horst Schall
 







Die Grenze zwischen Himmel und Hölle war von Unbekannten beschädigt worden. Der Teufel schickt ein Telegramm an die Engel: "Unsere Rechtsanwälte hier unten meinen, dass der Himmel die Reparatur vornehmen muss." Die Engel antworten:" Müssen wir wohl. Können nämlich hier oben keinen Rechtsanwalt finden..."

Ein Maler ist gestorben und kommt in den Himmel. Er fängt sofort an zu fluchen, was das denn soll,  er wäre doch noch so jung. Petrus setzt sich an das Himmlische Terminal, um nach den Gründen für die frühe Heimrufung zu suchen. Dann fragt er den Maler: "Wie alt bist du, hast du gesagt?" "Na, erst 35!" "Nein, mein Lieber, nach den Stunden, den du deinen Kunden berechnet hast, müßtest du 120 sein."

Himmel und Hölle - eines ist sicher: Dieses Thema beschäftigt uns. Das sieht man schon an der schier unendlichen Zahl von Witzen über dieses Thema. Alle diese Witze haben einen Grundgedanken: Es ist nicht egal, wie wir uns auf dieser Welt anstellen. Keineswegs. Es hat Konsequenzen, aber welche?

Jahrhunderte lang haben Theologen und Kirchenführer die Angst vor der ewigen Verdammnis und der Hölle als Machtinstrument missbraucht. Viel Geld floss z.B. durch den Ablasshandel in die Kassen des Papstes: Man konnte sich von den Qualen der Hölle freikaufen: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. --  Aus der Frohbotschaft wurde eine Drohbotschaft.
Es gibt auch heute noch viele Menschen, die einfach Angst haben vor einem Gott, der alles sieht, der alles weiss, der uns womöglich ständig beobachtet und eifersüchtig und misstrauisch darauf achtet, ob wir uns auch „gut“ verhalten.
Angst vor einem Gott, der furchtbare und ewige Strafen für sie bereithält.
Das ist aber nicht der Gott der Bibel! Gott arbeitet nicht mit Angst und Schrecken, und bei Jesus wird man diese Vorstellung nicht finden. Und er will auch nicht, dass wir Angst vor Gott haben.  Jesus erzählte dazu einmal ein Gleichnis (Matthäus 25,14 – 30)

Es ist wie bei einem Mann der ins Ausland verreisen wollte. Er rief alle seine Verwalter zusammen und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er 5 Goldstücke, dem anderen 2 und dem dritten 1 Goldstück, entsprechend den Fähigkeiten, die er bei ihnen voraussetzte. Danach reiste er ab.
Nach langer Zeit kam er zurück und forderte seine Verwalter auf, mit ihm abzurechnen. Der erste, der die 5 Goldstücke erhalten hatte, trat vor und sagte: »Du hast mir fünf anvertraut, Herr, und ich habe noch weitere fünf dazuverdient; hier sind 10 Goldstücke. „Sehr gut“, sagte sein Herr. „Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen Dingen bist du treu gewesen. Darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen. Ich lade dich zu meinem Fest ein.“
Dann kam der mit den zwei Goldstücken: „Herr, ich habe den Betrag auch verdoppeln können, Hier sind vier Goldstücke.“ „Sehr gut“, sagte der Herr. „Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen Dingen bist du treu gewesen.  Darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen. Ich lade dich zu meinem Fest ein.“
Schließlich kam der mit 1 Goldstück und erklärte: „Ich kenne dich als strengen Herrn und dachte: Was ich auch immer verdiene, du nimmst es mir doch weg. Und ich hatte Angst, das Gold bei irgendwelchen Geschäften zu verlieren. Deshalb habe ich es vergraben und  sicher aufbewahrt. Hier hast du es zurück, dein  Goldstück.“
Zornig sagte ihm drauf sein Herr: „ Was bist du für ein Dummkopf. Wenn du schon der Meinung bist, dass es mir nur um Gewinn geht, hättest du mein Geld wenigstens bei einer Bank angelegt. Dort hätte es wenigstens Zinsen gebracht. Nehmt ihm das Geld weg und gebt es dem, der die 5 Goldstücke hat!“
Denn wer das, was er hat, gewissenhaft nutzt, dem kann man noch mehr anvertrauen, bis er mehr als genug hat. Wer aber mit Wenigem nachlässig umgeht, dem wird man auch das noch nehmen. Jetzt werft diesen nichtsnutzigen Kerl hinaus in die Finsternis, wo nur noch Verzweiflung herrscht.“
Welche Einstellung habe ich zu meinem Leben, zu meiner Umwelt, zu meiner Arbeit, zu meiner Familie, zu meinem Geld und zu meinen Begabungen? Bin ich bereit: in diesem Leben etwas zu wagen, ganzen Einsatz zu bringen oder ziehe ich mich zurück?
Regiert die Neugier und die Einsatzfreudigkeit mein Leben? Oder lasse ich mich von der Angst bestimmen?
Und welches Bild habe ich von Gott? Jesus redet von Gott als einem VATER, einem liebevollen Vater, der mit offen Armen wartet, dass wir zu ihm nach Hause kommen.
Die Art und Weise, wie ich Gott sehe und verstehe, bestimmt mein Leben, meinen Glauben und mein Christsein. Die Art und Weise wie ich mir das Leben nach dem Tod vorstelle oder nicht vorstelle, bestimmt auch mein Leben vor dem Tod.
Und da gibt es Menschen, die freuen sich, dass sie leben, dass sie Verantwortung übernehmen können und eigenständig ein Risiko eingehen und ihre Begabungen angstfrei einsetzen können. Diese Menschen sehen in Gott jemand, der sie an einen ganz bestimmten Platz mit einer speziellen Aufgabe gestellt hat. Und sie setzen ihre Möglichkeiten und ihre Kreativität ein, um »ihren Job« möglichst gut zu machen.
Ihr Lieblingsgebet lautet: „Danke für das Vertrauen, danke, Herr für die Begabungen und für die Möglichkeiten, die Du mir geschenkt hast. Hab Dank für den großen, großen Freiraum, den Du mir gibst ? den will ich nutzen“ So beten sie jedenfalls, wenn sie an Gott glauben, und dabei Gott als Vater sehen.
Wenn sie nicht an Gott glauben, sind diese selbstbewussten, fröhlichen und begabten Menschen in einer echten Gefahr. Es gibt sie überall, auch heute abend hier in der Kirche. Menschen, die froh an ihre Arbeit gehen, die aber vergessen, dass es einen gibt, der sie begabt und beschenkt hat, der sie mit vielen anderen zusammen an eine große Aufgabe gestellt hat. Menschen, die das vergessen haben, sind in Gefahr, denn sie halten sich selbst für den Maßstab, für Gott: »Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.«
Und dann gibt es hier vielleicht dich. Du hast Angst vor Gott, Angst, etwas falsch zu machen, neue Schritte zu wagen, neue Gedanken zu denken. Du hast Angst, Dich ausführlich zu informieren, weil dann dein Glaube oder dein bisheriges Lebensmodell nicht mehr stimmen könnte. Und diese Angst prägt auch Dein Gottesbild: Gott ist für Dich ein strenger und strafender Gott, der jedes Vergehen ahndet. Die Begabungen, deine Möglichkeiten, deine Träume, nichts kommt zur Entfaltung. Und so vergräbst du, das was du hast und steckst den Kopf in den Sand.



 
Jesus sagt: Überlege genau, wie du Gott siehst, denn so wirst du ihn auch erleben.
Du wirst ihn tatsächlich so erleben und erfahren, wie du an ihn glaubst. Wenn du ihn als liebenden Vater siehst, wirst du seine Liebe erfahren, wenn du dich angstvoll duckst, wirst du dich selbst bestrafen, weil du alles das, was er dir schenken  will, nicht annimmst. Es liegt bei dir, dich zu entscheiden.


Jetzt könnte einer einwenden: Das ist ja  alles recht und schön, aber nun mal ohne Ausflüchte: Gibt es eine Hölle? Ja oder nein?
Ja. Nach der Bibel gibt es einen Ort der Verdammnis, ohne Gott, ohne Hoffnung, ein Ort der Finsternis und Lieblosigkeit, wo all das fehlt, was diesem Leben Wert gibt.
Nennen wir es die Hölle, nennen wir es den Orkus, alle Bilder, die wir gebrauchen sind letztlich nur Versuche, diesen Zustand zu beschreiben.
Gibt es eine Hölle - ja oder nein?
Ja, - aber! Es ist ganz wichtig: Wer stellt diese Frage und warum? Und je nachdem wird die Antwort ausfallen müssen.
Es gibt verschiedene Motive für diese Frage:

 
1. Wieviel darf ich mir höchstens erlauben, um nicht dorthin zu kommen?
Petrus hat Jesus einmal gefragt: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er an mir sündigt. Genügt es, siebenmal? -
Er wollte Liebe und Vergebung aufrechnen, wie bei einer Geschäftsbilanz, er wollte sich vorbeimogeln an den hohen Forderungen von Jesus.
Jesus hat sich auf diese Rechnerei nicht eingelassen. Seine Antwort für Petrus war wahrscheinlich wie ein Schlag ins Gesicht: „Nicht 7 mal, sondern 70 mal 7 mal sollst du ihm vergeben.“ Eine Zahl, die man sogar nicht mehr überblicken kann.
Mal ganz fromm gesprochen: Jesus möchte uns ganz haben, unser ganzes Herz, unser ganzes Vertrauen, unsere ganze Liebe.
Stellen sie sich einen Mann vor, der seine Frau beim Heiratsantrag fragt: Wie oft darf ich dir denn in unserer Ehe untreu werden, bis du mich hinausschmeisst? Er hat nichts von der Liebe kapiert. Versuchen sie mal, so einem zu erklären, wo er verkehrt liegt...
Wieviel darf ich mir höchstens erlauben, um nicht in die Hölle zu kommen? Die Antwort: du bist womöglich schon drin, weil du von Gottes Liebe nichts verstehst!

2. Ich habe Angst, nicht gut genug zu sein für einen Himmel
So fragen Menschen, die es sehr Ernst nehmen mit ihrem Glauben.
Wir alle – für wen das nicht zutrifft, der soll sich glücklich schätzen und Gott dafür danken – haben von klein auf gelernt: Du musst dir deine Liebe und Anerkennung verdienen, erarbeiten. Wenn du dies oder jenes tust, brav bist, fleissig bist, den Wünschen der anderen entsprichst, dann werden sie dich lieben.
Was wunder, wenn wir das auch auf Gott anwenden: Was kann er an mir schon finden, wo er mich doch da und dort versagen sieht, wo ich doch auch so viel schlechtes denke, fühle und tue.
Martin Luther hat diese Frage bis zur Selbstzerfleischung gequält. Er hat die grosse Entdeckung gemacht, die auch heute für alle, diese Frage stellen, die Antwort ist: Du musst keine Angst haben vor Hölle und Gericht! Was Gott von dir will, das tust du schon: Du vertraust ihm, du glaubst an ihn, du hast ihn in dein Herz gelassen. Das ist alles, was nötig ist. Das ist schon deine Rettung. Zu Hundert Prozent.
Mach nicht den Fehler wie der Mann mit dem 1 Goldstück: Rede dir keine Angst vor Gott ein, der das überhaupt nicht will und der dich von ganzem Herzen liebt.
Bei einem unserer Alpha – Kurse hat ein Mann gesagt: Ich glaube das ja alles, dass Jesus gestorben ist und auferstanden ist, dass er Sohn Gottes war, ich glaube das, aber, was ich mir absolut nicht vorstellen kann, dass er mein kleines Leben für wichtig hält, das er das für mich getan haben soll.
Doch, so ist es. Seine Liebe ist bedingungslos, du musst sie nur annehmen, es annehmen, dass er dich damit meint.

3. Ich mache mir Sorgen um einen lieben Menschen, der nicht auf Gott vertraut.
Wir dürfen Gottes Kraft und Größe nicht kleiner machen darf als sie ist. Jesus hat an seinem letzten Abend sogar mit Judas das Abendmahl gefeiert. Sogar für Judas, der Jesus ans Kreuz geliefert hat, war Platz am Tisch von Jesus.
Mit andren Worten: ich kann mir gut vorstellen, dass Gott noch andere Wege, uns nicht bekannte Wege kennt, Menschen zu sich zu führen.
Ich wage da kein Urteil. Trotzdem verstehe ich diese Sorge. Und ich würde folgenden Rat geben, zweierlei zu tun:
Versuchen Sie, in ihrer Liebe zu Gott und zu diesem Menschen zu wachsen, versuchen sie ihn mit den liebenden und vergebenden Augen Gottes anzusehen.
Durch ihren Glabuen, ihr Vertrauen, ihre Liebe kann Gott ihn berühren. Und beten Sie für ihn. Mehr können sie nicht tun. Aber das ist unendlich viel.

4. Alles „Wenn und Aber“ beiseite, ich will´s einfach wissen!
Es gibt die Stellen im Neuen Testament, die von Gericht und von der Hölle sprechen, die kann man nicht einfach wegwischen. Sie zeigen uns, dass es eben nicht egal ist, mit welcher Einstellung ich hier auf der Erde lebe.
Aber ich kann mich entscheiden, von woher ich meinen Glauben bestimmen lassen will: vom Himmel oder der Hölle, von der Liebe oder der Angst. Ich muss als Christ irgendwann die Entscheidung treffen: lasse ich mein Gottesbild von der Liebe (Himmel) oder von der Angst (Hölle) bestimmen.
Das Neue Testament heisst nicht umsonst „Die Gute Nachricht“:  Der Himmel kommt zu uns, kehrt um, denn das Reich Gottes bricht an in usnerem Leben, - und die Bibel ist das Buch gegen die Angst. Über 300 mal steht da: „Fürchte Dich nicht!“ Und im ersten Johannesbrief heißt´s:  „Wer Angst hat und vor Strafe zittert, bei dem hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht. Die Liebe kennt keine Angst.“



Vielleicht ist, wie im Anspiel vorhin angeklungen, das die Hölle, dass ich in meinem Leben hier auf der Erde ausschließlich mich selbst als ersten Maßstab genommen habe und nun nach dem Tod in eine von Gott und der Liebe erfüllte Weit komme, an der ich nicht teilhaben kann, weil meine Seele dafür keinen Sinn, keine Empfindung, keine Augen und Ohren entwickelt hat.
Vielleicht ist das die Hölle, dass ich nach dem Tod dem liebenden Gott begegne, ich aber weiterhin nur die Angst entdecken kann und mag.
Ich persönlich glaube nicht an die Hölle, d.h. ich glaube schon, dass es diese Sphäre der Gottverlassenheit gibt, aber ich lasse meinen Glauben und mein Leben nicht von Gedanken an eine mögliche Hölle bestimmen, sondern strecke mich aus nach der Liebe und nach dem Himmel, von dem wir schon ein bißchen etwas auf dieser Erde erleben können.
Amen.
 
 

p.s.: Wenn  Sie Fragen zu dieser Predigt haben, versuchen wir sie gerne, sie  zu beantworten:
Evang. Pfarramt Ludwigsmoos, Ludwigstr. 145, 86669 Ludwigsmoos
Fax. 08433 – 920078
E – mail: evpfarramt.ludwigsmoos@t-online.de

*GoSpecial = neues Gottesdienstkonzept, welches versucht,  Sprache und Musikgeschmack von jungen und junggebliebenen Leuten zu berücksichtigen und für Kirchendistanzierte einen neuen Zugang aufzeigt zu Kirche und Glauben.