Thema: Warum bin ich in der Adventgemeinde?(von Gerhard Gelbrich - Karlshuld)

Es gibt viele feine Menschen und Christen in anderen Kirchen.
· Sollten wir sie nicht lieber dort lassen, wo sie sind?
· Warum müssen sie unbedingt Siebenten Tags Adventisten werden?
Oder jemand anders fragt:
· Dürfen wir überhaupt mit anderen Christen zusammen arbeiten, obwohl sie eventuell nicht die volle Wahrheit und die richtige Lehre haben?
Andere sagen:
· Es gibt in Deutschland und Europa immer weniger Christen und immer mehr Atheisten.
· Ist es nicht wichtiger, oder sogar genug, wenn wir Ungläubige zu Christus führen, müssen sie dazu auch noch Siebenten Tags Adventisten werden?
Andere sagen:
· Haben wir denen etwas zu sagen, die bereits gläubig sind?
· Sollten wir sie nicht lieber in Ruhe lassen um uns denen zu widmen, die an gar nichts glauben?
Oder ganz einfach gefragt:
· Sind wir Siebenten Tags Adventisten irgend eine Kirche unter vielen?
· Wenn ja, wozu gibt es uns dann? Welche Existenzberechtigung haben wir?
· Wenn aber nein. Was ist dann das besondere an uns?
 
1.  Ist das unser Lebensstil,
2.  ist das unser Lehre,
3.  ist es beides oder nichts davon.
Das soll heute das Thema sein. Ich beginne mit der letzten Frage. Ist es der Lebensstil oder die Lehre, die uns zu einer besonderen Kirche macht?
Ich möchte heute morgen 3 Thesen in den Raum stellen und werde versuchen, sie auch zu begründen.

1. These
Unser Lebensstil macht uns nicht zu einer besonderen Gemeinde, obwohl er entscheidend ist.

Bei Lebensstil denken wir meistens an Mode, Kleidung Kosmetik, Schmuck und anderes mehr. Aber Lebensstil umfaßt etwas, was viel wichtiger ist.
Ich bitte euch nun, eure Bibeln mit mir aufzuschlagen und im Johannes 13 mit mir zu lesen, denn dort steht der entschiedene Lebensstil der Nachfolger Jesu. Woran soll man nach den Worten Jesu seine Nachfolger erkennen?

Joh. 13,35
35 Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Das heißt, daran, wie wir miteinander umgehen soll man Nachfolger Jesu erkennen. Da denke ich an so mache Diskussionen in der Vergangenheit innerhalb unserer Gemeinschaft zu den Themen „ACK“ und auch „charismatischen Bewegungen“, aber auch innerhalb unsere eigenen Gemeinde hier in Neuburg. Sind wir immer so miteinander umgegangen, daß Menschen erkannt haben, daß wir Nachfolger Jesu sind? Ich glaube, auf beiden Seiten ist manches versäumt und auf beiden Seiten hat manchmal die Art oder der Ton nicht gestimmt und wir sollten um Vergebung bitten.
· Nun, wie Jesus zu leben, ist das wichtigste Erkennungsmerkmal der Nachfolger Jesu, aber zu allen Zeiten. Es ist also nicht das besondere Merkmal der Endgemeinde, der letzten Gemeinde.

· Unsere Ernährungsweise, um ein weiteres Beispiel zu nennen, macht uns auch nicht einzigartig. Die orthodoxen Juden und Moslems essen auch kein Schweinefleisch. Immer mehr gesundheitsbewußte Menschen essen vegetarisch. Einige sogar vegan. Es gibt auch andere Christen, die wie wir bewußt abstinent leben.
· Auch andere Aspekte des Lebensstils machen uns nicht einzigartig.
· Es gibt viele Christen, die den Zehnten zahlen (z.B. in Freikirchen).
· Es gibt Christen, die sich noch konservativer als wir kleiden.
· Es gibt Christen, die sich viel mehr für die Bewahrung der Schöpfung oder den Schutz des Ungeborenen einsetzen.
Also leite ich daraus die Schlußfolgerung:
Der Lebensstil kann es nicht sein, was uns zu einer besonderen Endzeitgemeinde macht, obwohl er sehr wichtig ist.
Darauf werde ich später zurückkommen.

2. These:
Wie sieht es mit der Lehre aus, mit der Wahrheit?

Ist das der Punkt, der uns einzigartig macht? Ich gebe euch jetzt eine Antwort, die ihr vielleicht von mir nicht erwarten werdet. Ist die Lehre oder die Wahrheit der Punkt, der uns einzigartig macht? Nein! Ich behaupte also:
Unsere Erkenntnis zeichnet uns auch nicht als Endzeitgemeinde aus.
Überlegt einmal, was unsere Gemeinschaft neues, was die Erkenntnis der Wahrheit betrifft, beigesteuert?
· Jawohl, wir haben Wahrheiten wieder entdeckt, die eine lange Zeit verschüttet waren.
· Wir haben Wahrheiten, die so verstreut vorkamen zusammengetragen und in einen wunderbaren Rahmen zusammen gesteckt. Ich möchte diesen Rahmen einmal den Kampf zwischen Licht und Finsternis nennen.
Ehrlich gesagt, ich kennen keinen besseren Rahmen, wo diese Puzzlelteile besser zusammenpassen. Der große Kampf zwischen Licht und Finsternis ist für mich eine Verständnishilfe, um viele Dinge und Hintergründe zu begreifen, die mir sonst in der Bibel schleierhaft und unverständlich blieben. Aber ich werde niemals behaupten wollen, daß wir schon alle Puzzlelteile der Wahrheit gefunden hätten. Sonst gäbe es nichts mehr zu suchen. Und ich will auch nicht behaupten, daß wir alle Puzzlelteile schon am richtigen Platz hätten.
Ich persönlich wollte nicht einer Kirche angehören, die etwas lehrt, das nicht biblisch fundiert ist, oder gar dem widerspricht, was die Bibel sagt. Ich bin Siebenten Tags Adventist und bin es sehr gerne, weil ich z.Zt. nirgendwo mehr Wahrheit oder sagen wir mehr Puzzlelteile finden kann als hier in der Adventgemeinde.
Und trotz allem behaupte ich heute morgen: Der Besitz dieses umfassenden Bibelwissens macht uns nicht einzigartig.
Ich gehe sogar weiter und sage: Das viele Wissen, auch das viele biblische Wissen kann uns sogar geistlich blähen und hochmütig machen. Davor kann uns nur die Einsicht bewahren, die wir in 1. Korinther 13 finden. (1.Kor. 13,9+12)
1.Kor 13,9
9 Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.

Vers 9 ï Das ist auch ein Wort für die Adventisten. Auch für die Adventisten gilt: Unser Wissen ist Bruchstückhaft, Stückwerk. Auch unser prophetisches Reden ist Stückwerk.....ist ein unvollständiges Bild....

1.Kor 13,12
12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

....dunkles Bild... Nun, wenn ich mich heute im Siegel anschaue, sehe ich leider die Wirklichkeit sehr genau und ich sage manchmal morgens vor dem Spiegel: Kennen tue ich dich nicht, aber ich rasier dich trotzdem.
So ein Spiegel von heute ist ja nicht gemeint. Ein Spiegel war damals ein Blech, ein Stück Blech, geschliffen. Man hat die Konturen gesehen, aber nicht die Feinheiten. Und das meint Paulus. In so einem Stück Blech sehen wir ein dunkles, ein verschwommenes, ein unscharfes Bild. Dann aber, von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkennen auch wir als Adventisten nur Stückweise, dann aber werden wir alles erkennen, wie wir auch erkannt werden.

Nun, wenn es weder der Lebensstil ist, noch die Lehre,die Erkenntnis der Wahrheit, was ist es dann, was uns zu einer besonderen Gemeinde macht? Seid ihr gespannt? Jetzt kommt die Antwort.

These 3
Was uns zu einer besonderen Gemeinde macht ist der Auftrag. Es ist der Auftrag, die empfangene Erkenntnis auszuleben und weiter zu geben, was uns als Siebenten Tags Adventisten eine Existenzberechtigung gibt.

Ein biblisches Beispiel von Johannes dem Täufer soll uns das verdeutlichen.
· Was machte Johannes den Täufer einzigartig?
· War es sein Lebensstil? Unwichtig kann er nicht gewesen sein, sonst stünde es nicht ausdrücklich in der Bibel, wie er sich kleidete und wie er sich ernährte. Aber ich bin sicher, daß es auch andere Menschen in seiner Zeit gab, die sich so gekleidet haben oder die sich so ernährt haben, die in der Wüste lebten.
· Sein Wissen um den kommenden Messias war es auch nicht, was ihn einzigartig machte, denn es waren auch noch andere, die auf ihn warteten, auf den Messias. Nicht viele, ein paar Leute. Seine Eltern, Simeon und Hanna, die Waisen aus dem Morgenland z.B..
· Sein Wissen war auch noch unvollständig. Wie ihr wißt, von der Taufe mit dem Heiligen Geist hatte er nicht viel Ahnung, das mußte er nachlernen, bzw. Jesus mußte es ihm sagen.
Worin bestand also die Einzigartigkeit des Johannes?
Die Einzigartigkeit des Johannes bestand in seinem Auftrag. Das war sein Leben.

· Streicht von Johannes dem Täufer seinen Auftrag und wir brauchen keinen Johannes den Täufer. Dann würde er total überflüssig gewesen oder geworden!

In Lukas 1 steht, was sein Auftrag war. Und diese Stelle ist wichtig, denn sein Auftrag und unser Auftrag sind identisch.
Lk 1,16+17
16 Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.
17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.

.....zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.

Diesen Satz müßt ihr in eurer Bibel rot unterstreichen.
· Der Auftrag Johannes des Täufers bestand darin, die Menschen, ob jung oder alt - deswegen wird hier von den verschiedenen Altersstufen geredet - das 1. Kommen Jesu vorzubereiten.
· Und unser Auftrag als Siebenten Tags Adventisten besteht darin, die Menschen, jung und alt auf das 2. Kommen Jesu vorzubereiten.

Unser Lebensstil ist wichtig, aber nur dann, wenn er unsere Verkündigung unterstreicht. Wenn wir schweigen, dann ist es fast egal, wie wir leben, wie wir uns ernähren, wie wir uns kleiden.

Denn der Lebensstil kann doch niemals Zweck in sich selbst sein.
· Streicht den Auftrag und dann könnt ihr den Lebensstil vergessen.
· Betont den Lebensstil und schweigt, dann spielt der Lebensstil fast keine Rolle.
· Der Lebensstil offenbart, ob wir das Ernst nehmen, was wir glauben und predigen oder nicht.

Aber, man muß nicht Vollkommen sein, sündlos, um den Auftrag auszuführen. Vollkommenheit ist und war niemals die Voraussetzung dafür, daß Gott eine Person oder eine Menschengruppe gebrauchen konnte.

Wenn er nur vollkommenen, sündlose Menschen gebrauchen könnte, wen könnte er gebrauchen? Engel - aber er wollte keine Engel gebrauchen, weil er will sündige und unvollkommene Menschen erreichen, also braucht er auch dich und mich, damit er Menschen wie dich und mich erreichen kann.
Gott hat auch niemals verlangt, daß wir vollkommen sein müssen im begreifen der Wahrheit. Hätte er nur Menschen gebrauchen können, die über alles Bescheid wußten, ja was hätte er in den alttestamentlichen Zeiten gemacht. Da hätte er nicht einmal einen Johannes den Täufer gebrauchen können, der von Heiligen Geist und von der Taufe des Geistes nicht so Bescheid wußte.

Weder die Propheten noch andere Persönlichkeiten in biblischen Zeiten, noch in der Kirche und auch nicht in der Adventgeschichte hatten die Menschen, die Gott gebraucht hat, die volle Erkenntnis dieser Wahrheit. Viele haben nicht einmal verstanden, was sie weitergegeben haben im Auftrag Gottes. Aber das war für Gott kein Grund, sie nicht zu gebrauchen.

Die richtige Lehre ist wichtig, und je mehr wir über Gott und die Bibel Bescheid wissen, um so besser. Wenn wir aber dieses Wissen für uns behalten, dann wäre es 1000 mal besser, wir hätten ganz wenig gewußt und dieses wenige hätten wir überzeugend und begeistert weitergegeben. Dann wäre Gott durch uns viel weiter gekommen.
Wenn wir als Adventgemeinde darin versagen, den uns anvertrauten Auftrag zu erfüllen, dann sieht sich Gott gezwungen, andere Werkzeuge zu suchen, weil er es nicht fertig bringt, Menschen verloren gehen zu lassen, weil seine Gemeinde schläft, sich mit unwesentlichen Dingen befaßt, oder nur im eigenen Saft schmort. Jesus sagt den Pharisäern in

Lk 19,40
Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.

Ich möchte das bisher gesagte so zusammenfassen.

· Wir sind als Adventgemeinde nicht zum Heil berufen, sondern zum Dienst auserwählt.

Weil wir nicht zum Heil auserwählt sind - das haben wir als Gemeinschaft offiziell nie behauptet, und wenn jemand das von euch privat behauptet, dann ist es seine private Meinung, nicht offizielle Meinung - weil wir als Siebenten Tags Adventisten nicht zum Heil auserwählt sind, haben wir nie behauptet, daß wir die allein selig machende Kirche wären.

Und nun ziehen manche aus diesen Aussagen..
· Aha, wenn es so ist, dann sind wir also nur eine Kirche wie die anderen.
· Dann brauchen wir also nur zu predigen,
· keine Evangelisation zu halten,
· wozu NET 99,
· wir brauchen nicht von Haus zu Haus zu gehen.
Aber mein Satz lautete nicht nur, daß wir nicht zum Heil auserwählt, sondern zum Dienst berufen sind.
Damit will ich sagen:
· Nicht wir als Menschen, nicht wir als Siebenten Tags Adventisten, nicht wir als Gemeinschaft sind etwas besonderes, sondern unser Auftrag ist das Besondere.
· Das heißt, wenn wir schweigen, haben wir keine Existenzberechtigung mehr.

Ich möchte es noch anders verdeutlichen.
Der Begriff Adventist ist kein Titel, sondern eine Berufsbezeichnung. Jemand erwirbt den Doktor med. Titel. Das ist schön und hört sich gut an. Dr. med. steht auf dem Briefbogen, an der Haustür, auf der Visitenkarte. Ob er als Arzt praktiziert oder nicht, spielt keine Rolle. Sein Leben lang hat er diesen Titel Dr. med..

Da gibt es einen anderen Arzt, der geht in die Mission nach Afrika und arbeitet sein Leben lang als Arzt und kommt gar nicht dazu, einen Dr. med.-Titel zu erwerben.
Frage, wer hat mehr geleistet? Der, der den Titel trägt oder der die Arbeit macht. Sicher der zweite.

Deswegen sage ich: Adventist ist kein Titel wie Dr. med., den man erwirbt und trägt, egal, ob man dem nachgeht oder nicht. Sondern Adventist ist eine Berufsbezeichnung für Christen, die der Berufung nachgehen, dem wiederkommenden Herrn wie Johannes den Weg vorzubereiten.

Und jetzt möge sich jeder von euch auf den Knien und vor Gott fragen und zeigen lassen: Herr, heiße ich zurecht Adventist, oder ist das nur ein Titel. Gehe ich der Berufsbezeichnung eines Adventisten nach, nämlich ein Wegweiser auf den Wiederkommenden zu sein, oder trage ich nur den Titel, weil ich das Wissen im Kopf habe?

Worin besteht nun unser Auftrag ganz genau?

· Manchmal habe ich den Eindruck, daß es Adventisten gibt, die meinen, unser Auftrag besteht darin, das Erbe, das wir von unseren Pionieren bekommen unverändert weiterzugeben. Einfach übernehmen und weitergeben. Meint ihr, daß das genügt?
· Meint ihr, daß wir die Botschaft des baldigen Kommens Jesu und was alles dazugehört einfach so weitergeben sollen, wie wir es von unseren Eltern oder Großeltern gehört haben?
Ich glaube nicht. Ich glaube, wir haben da eine wichtige Hausaufgabe zu machen.
Wir müssen es übersetzen.
Wir alle sind Übersetzer des ewigen Evangeliums in unsere Zeit. Hier in Deutschland oder noch konkreter zu werden in Bayern, hier in Neuburg oder wo auch immer als Übersetzer tätig zu werden.
Das heißt, es gilt diese Wahrheiten, von denen wir überzeugt sind, daß die Menschen sie heute brauchen, weil sie auch uns geholfen haben, so zu formulieren und so zu erklären, daß unsere Freunde und Bekannten sie auch verstehen. Wir müssen sie in Verbindung mit den Ereignissen, Fragen und Nöten unserer Zeit bringen. (Br.Mayer-Radio)

Ich muß hier bekennen, daß wir als Übersetzer zum großen Teil versagt haben. Es gelingt uns kaum oder nur sehr schwer, diese ewigen Wahrheiten in ein heute relevantes Gewand zu kleiden. Es ist schwierig mit atheistisch geprägten Menschen über dieses ewige Evangelium zu sprechen. Mit Menschen, die keine Ahnung vom Evangelium und von Gott haben, weil sie noch nie etwas davon gehört haben, weil auch deren Eltern Atheisten waren, wo man sozusagen bei Adam und Eva beginnen muß.

Eli Diez erzählte mir, daß er vor einiger Zeit einen Brief erhielt, in dem ein Faltblatt beigelegt war. Auf diesem Faltblatt war die 3-fache-Engelsbotschaft in dieser altdeutschen Schrift, die unsere Kinder heute nicht mehr lesen können und in der Bibelübersetzung Martin Luther 1912. Und sonst nichts, kein Kommentar.
· Die 3-fache-Engelsbotschaft,
· Luther 1912,
· altdeutsche Schrift.

In diesem Brief schrieb dieser Bruder: „Lieber Bruder Diez. Das ist die Lösung zur Erfüllung unseres Auftrags. Druck bitte dieses Blatt, genauso wie es beiliegt in Millionenhöhe und laß es uns in ganz Deutschland in die Briefkästen verteilen. Dann haben wir unseren Auftrag erfüllt. Denn da steht, was die Menschen heute brauchen.“

Glaubt ihr, daß das die Lösung wäre? Wir drucken die 3-fache Engelsbotschaft so ohne Kommentar in diesem Wortlaut Luther 1912, verteilen sie in die Briefkästen und dann haben wir unseren Auftrag erfüllt. Glaubt ihr das? So nach dem Motto: Hier, friß oder stirb! War das die Methode Jesu?
Nach dieser Methode hätte er überhaupt nicht Mensch werden brauchen. Dann hätte er uns irgend eine Botschaft in himmlischer Sprache schicken können und sagen, da habt ihr alles. Lest das und dann wißt ihr Bescheid.
Nein - weil wir so schwer von Begriff sind und so tief in der Sünde stecken, mußte er einer von uns werden, damit wir begreifen, was er meint. Damit er uns den Vater vorleben konnte.

Die Menschen, mit den wir täglich zu tun haben, die lesen doch nicht täglich in der Luther Bibel 1912. Die sind nicht einmal mit dieser Sprache vertraut. Die würden nicht einmal die Worte verstehen, geschweige denn den Sinn.
Ein Beispiel. In meinem PC habe ich ein Korrekturprogramm für die Rechtschreibung. Beim ausarbeiten einer Predigt will mir mein PC das Wort „sündlos“ in „Zündholz“ ausbessern, weil er mit diesem Wort „sündlos“ nicht programmiert war.
Viele Menschen können mit dieser Sprache, die wir vielleicht hier in der Gemeinde benutzen, nichts anfangen, weil sie nicht gewohnt sind, in dieser biblischen Sprache zu sprechen. (Beispiel: Sich Jesus übergeben - statt sein Leben dem Herrn Jesus anvertrauen. Vor deinen Gnadenthron treten....).
Wir brauchen dringend Übersetzer, die die biblische Botschaft so weiter geben können, daß es auch der säkularisierte Mensch um uns herum begreifen kann. Sonst kratzen wir da, wo es den Menschen nicht juckt.
Wir müssen viel mehr von Jesus lernen, das steht für mich fest. Wir müssen studieren, wie er es machte, die Menschen da zu erreichen, wo sie waren, um sie dahin zu begleiten, wo Gott sie haben wollte.
Wenn wir mehr von Jesus lernen, dann wird es uns auch gelingen, die Menschen da zu holen, wo sie sind, um ihren Durst nach Heil und nach Heilung zu erkennen.
Ob die Menschen unserer Umgebung Katholisch oder Evangelisch sind, theoretisch glauben sie, daß Jesus wiederkommt. Im Vater Unser sagen sie es, im Glaubensbekenntnis sagen sie es, aber glauben sie es wirklich? Ist ihnen bewußt, daß Jesus vor der Tür steht? Ich glaube, dies ist auch unser Beitrag als Siebenten Tags Adventisten für unsere Mitchristen, daß wir es ihnen erzählen, damit sie sich daran erinnern, denn viele sind eingeschlafen. Der Adventglaube - die Wiederkunft des Herrn Jesus - ist bei vielen eingeschlafen. Wir werden sie natürlich nur dann wecken können, wenn wir selber wach sind. Wenn die Adventhoffnung bei uns selber schläft, dann können wir niemand wachrütteln.

Unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitchristen geht noch weiter.
Wir sind Lotsen.
Versteht ihr dieses Wort? Lotsen - das sind Menschen, die ins Schiff steigen. Warum tun sie das? Sie sind nicht von Anfang an dabei auf diesem Schiff, sondern sie steigen ein für die letzte Strecke, weil die letzte Strecke besondere Gefahren in sich birgt.

Geschwister, wir leben in der letzten Strecke unserer Weltgeschichte. Jesus sagt über die letzte Strecke in Matthäus 24,24, daß so viele falsche Propheten und Verführer aufstehen werden, daß sie sogar gläubige Menschen verführen würden, wenn die Tage nicht verkürzt würden.
Das heißt für mich: Es gehört zu unserem Auftrag als Siebenten Tags Adventisten, unsere Mitchristen zu warnen und auch ihnen die Augen zu öffnen für Dinge, die der Geist Gottes uns gezeigt hat, aber die viele Christen nicht mehr wissen.
 

Wir können niemals sagen, daß sich unser Auftrag nur an die Menschen richtet, die nichts von Gott wissen. Unser Auftrag richtet sich genauso an unsere Brüder und Schwestern unter den Katholiken, unter den Protestanten und wo auch immer. Denn das sind Menschen, die es ehrlich meinen, aber die auch verführt werden sollen. Und darum sollten wir sie warnen.

Die Frage ist nur, wie wir es tun. Und damit schließe ich ab. Wenn ich das alles so bedenke, dann muß ich sagen: Was für eine große Verantwortung haben wir als Adventisten. Werden wir ihr gerecht werden?

· Wird es uns gelingen, diesen Auftrag als Übersetzer, als Wegbereiter, als Lotse zu erfüllen? Und jetzt hört gut zu: NEIN!  Es wird uns nicht gelingen.
Und zwar dann nicht, wenn wir uns einbilden, die einzigen Christen oder Kinder Gottes zu sein und darum anderen Christen mit geistlichem Stolz oder mit Arroganz begegnen. Stellt euch vor, wir haben die beste Botschaft zu verkündigen und unsere Mitchristen oder andere Menschen machen die Ohren zu, wenn sie uns sehen, weil wir ihnen mit Arroganz oder geistlicher Überheblichkeit begegnen. Wäre das nicht fatal?
Aber treten wir nicht manchmal sehr arrogant auf, als hätten wir der Weisheit letzten Schluß gepachtet? Ich glaube, da brauchen wir noch viel Demut.
· Wird es uns gelingen, diesen Auftrag zu erfüllen? NEIN!       Es wird uns nicht gelingen, wenn wir uns durch interne Diskussionen, wenn wir uns über zweitrangige Aspekte der Lehre oder des Lebensstils so verausgaben, daß wir nicht mehr dazu kommen, als Übersetzer, Wegbereiter oder Lotsen Gott und der Welt zu dienen. Wir könnten uns über Fragen der Kleidung, des Schmucks und der Ernährung Monate und Jahrelang beschäftigen, miteinander streiten, Tagungen veranstalten, Bücher schreiben -  und dadurch würde kein zusätzlicher Mensch darauf aufmerksam, daß Jesus bald wiederkommt, und er die Lösung auf all die Probleme bringt.
· Wird es uns gelingen, diesen Auftrag zu erfüllen? NEIN!       Es wird uns nicht gelingen, wenn wir uns zwar als Jünger Jesu bezeichnen, uns aber nicht gegenseitig achten, sondern wie Hund und Katze miteinander umgehen. Denn die Richtigkeit der Lehre kann fehlende Liebe nicht wettmachen. Es gibt leider in unseren Gemeinden viel Lieblosigkeit und Unversöhnlichkeit. Viele Adventisten werden deshalb verloren gehen. Sie haben alles gehalten, sie haben alles gewußt, aber sie haben sich nicht versöhnt mit dem Bruder, mit der Schwester, mit dem Prediger, mit dem Gemeindeleiter oder was weiß ich mit wem. Unversöhnlichkeit ist eines der schlimmsten Sünden in der Adventgemeinde. Wegen andere Dinge wird man ausgeschlossen, wegen Unversöhnlichkeit oft nicht. Und das ist eine Gefahr. Mancher meint, er wird die Ewigkeit bei Jesus verbringen - wird er aber nicht, weil Unversöhnlichkeit auch von der Ewigkeit ausschließt. Die Art und Weise - Geschwister, bei uns in der Gemeinde kann es zum Streit und zu Konflikten kommen, wenn wir eine richtig Familie sind, dann muß es sogar dazu kommen, denn in der normalen, leiblichen Familie ist es auch der Fall - aber darin, wie wir mit Konflikten umgehen, darin, wie wir miteinander bei Meinungsverschiedenheiten umgehen, wird sich erweisen, ob wir Jünger Jesu sind, oder nicht. Denn Jünger Jesus lieben und vergeben einander, so wie Jesus uns geliebt und vergeben hat.
· Wird es uns gelingen, diesen Auftrag zu erfüllen? JA!
Es wird uns gelingen. Und zwar dann, wenn wir uns den Blick Jesu schenken lassen, der uns befähigt in jedem Menschen einen Kandidaten für das Reich Gottes zu sehen. Unabhängig davon, welchen Kleidergeschmack er hat, oder welche Musikrichtung er mag. Zuallererst ist er ein Kandidat für den Himmel. Darum laß uns ihn in Liebe und Demut begegnen.
· Wird es uns gelingen, diesen Auftrag zu erfüllen? JA!
Es wird uns gelingen. Und zwar dann, wenn es uns als Gemeinschaft und auch in den Ortsgemeinde, also auch bei uns hier in Neuburg gelingt, die Prioritäten richtig zu setzen. Und weil es 5 Minuten vor 12 Uhr ist, kann die oberste Priorität nur heißen: Den Wiederkommenden anzukündigen. Und wir müssen uns fragen, ob wir auf allen Hochzeiten tanzen müssen, und alle Abteilungen führen müssen, ob alles gemacht werden kann und soll, was schön und gut wäre. Aber Geschwister, wir haben nicht viel Zeit. Darum laßt uns die Prioritäten setzen. Ich muß sie in meiner Arbeit auch setzen. Ich bin zumindest dabei, es zu lernen. Ich habe mir gesagt: Gerhard, mach es dem Nehemia gleich. Er baute an der Mauer. Und da kamen einige, die wollten mit ihm ein paar Ausschußsitzungen machen. Und er sagt: Kommt nicht in Frage, macht eure Sitzungen allein. Ich muß hier meinen Platz an der Mauer ausfüllen. Und das versuche ich auch. Es gäbe viel schönes, worüber man diskutieren, vieles, was man hinterfragen und bereden könnte. Aber ich habe mir gesagt: Fülle deinen Platz an der Mauer, in deiner Gemeinde, in deiner Familie, oder auch sonstwo, wo dich Gott braucht; und laß dich von interessanten Dingen oder auch von Kritikern oder was auch immer nicht ablenken!
· Wird es uns gelingen, diesen Auftrag zu erfüllen? JA!
Es wird uns gelingen. Und zwar dann, wenn wir das verkörpern, was wir sagen. Gott braucht, um seinen Auftrag zu erfüllen nicht sündlose Menschen, sondern ehrliche Menschen. Wenn du ehrlich zu deinen Fehlern stehst, dann wirst du glaubwürdig. Deswegen wird Jesus seinen Auftrag durch uns erfüllen nicht erst, wenn wir sündlos sind, sondern wenn wir ehrlich sind. Wenn das, was wir sagen, deckungsgleich ist mit dem, was wir tun. Wenn das, was wir am Sabbat hier sagen deckungsgleich ist, wie wir uns zu Hause während der restlichen 6 Tage benehmen.

Es gab eine dänische Baronin in Ostafrika. Sie hatte einen zuverlässigen schwarzen Diener. Nach 3 Monaten kam er zu ihr und sagt: Ich kündige, ich gehe. Die Baronin war ganz sprachlos und fragte ihn: Habe ich sie nicht gut behandelt, gefällt es ihnen bei mir nicht? Oh doch, war alles in Ordnung. Wissen sie, ihr Christen verkündigt Gott, die Mohammedaner verkündigen Gott auch. Jetzt war ich 3 Monate bei ihnen, und jetzt gehe ich für 3 Monate zum arabischen Bürgermeister. Ich habe mir jetzt bei ihnen ihren Gott angeschaut und jetzt gehe ich zu den Mohammedanern und werde mir 3 Monate anschauen, was für einen Gott er liebt.
Diese Baronin sagte, daß diese Antwort ihres Dieners ihr Monate lang zu schaffen machte. Und sie sagte sich: Hätte ich gewußt, daß jemand täglich Gott bei mir sucht, hätte ich mich oft anders benommen.
Leider wissen wir nicht, wie sich dieser Mann entschieden hat. Aber eines wissen wir. Jeden Tag schauen Menschen auf dich und auf mich. Wir reden von Gott und sie wollen wissen, ob das, von dem wir reden, auch tatsächlich stimmt. Und darum beobachten sie uns sehr genau. Häufig merken wir es nicht. Täglich sucht jemand Gott bei dir und bei mir, wird er ihn finden? Ich wünsche es mir und euch von Herzen.

Gott segne uns alle und mache uns zu
 lebendigen Übersetzern seines Evangeliums,

Es segne und es behüte dich - Gott der Allmächtige und der Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Friede sei mit euch allen!
 
 


Amen

PS.:
Bei Fragen bittean Gerhard Gelbrich