10.11.98

Regeländerungen ab 1999

Wichtige Regeländerungen (Fassung vom 7. November 1998)

Die FIVB hat auf ihrem 26. Weltkongreß einige Regeländerungen verabschiedet. Die gravierendste betrifft die Einführung der (bisher nur im 5. Satz angewendeten) "Rally-Point-Zählweise" für das gesamte Spiel (in den ersten 4 Sätzen: bis 25 bei mindestens 2 Punkten Unterschied; im 5. Satz: bis 15 bei mindestens 2 Punkten Unterschied). Der Bundesschiedsrichterausschuß geht zum Zeitpunkt der vorliegenden Veröffentlichung davon, aus, daß diese Änderung im Spielbetrieb des DVV in der laufenden Spielzeit noch nicht in Kraft gesetzt wird (dies ist allerdings derzeit noch nicht definitiv entschieden). Auf diese Änderung wird daher im folgenden nicht weiter eingegangen. Ihre Einführung im Spielverkehr des DVV wird gesondert bekanntgegeben.

Weitere für den Spielbetrieb wichtige Änderungen sind im folgenden ausgeführt. Diese treten in den 1. und 2. Bundesligen ab 20.11.1998, im gesamten sonstigen Bereich des DVV ab 01.01.1999 in Kraft.


1. Merkmale des Balles (zu Regel 3.1.):

Der Ball darf nunmehr auch aus einer Kunstlederhülle (das Material muß vorher von der FIVB genehmigt sein) bestehen und eine Kombination aus mehreren Farben aufweisen, die von der FIVB festgelegt worden sind.

Bisher: Es waren nur einfarbige und helle Bälle zugelassen, die aus einer Lederhülle bestehen.

 

2. Rechte des Trainers während des Spiels (zu Regel 5.2.3 d):

Wenn der Trainer den auf dem Feld befindlichen Spielern Anweisungen erteilt, darf er nunmehr auch innerhalb der Freizone vor der Mannschaftsbank bis hin zur Aufwärmfläche stehen oder sich dort bewegen. Dabei darf er das Spiel nicht beeinträchtigen oder verzögern.

Bisher: Der Trainer mußte beim Erteilen von Anweisungen entweder auf der Mannschaftsbank sitzen oder sich auf der Aufwärmfläche aufhalten.

 

3. Neue Regel für den Libero-Spieler (Neu: Regel 8.5.):

8.5. Der Libero-Spieler

8.5.1. Jede Mannschaft hat die Möglichkeit, auf ihrer endgültigen, 12 Spieler umfassenden Spielerliste einen spezialisierten Defensivspieler anzugeben, den "Libero".

8.5.2. Der Libero muß vor dem Spiel auf dem Spielberichtsbogen eingetragen, neben seinem Namen muß ein "L" vermerkt werden. Seine Spielnummer muß auch auf dem Aufstellungsblatt des ersten Satzes eingetragen werden. (Regel 7.3.1).

8.5.3. Für den Libero gelten folgende Regeln:

  1. Der Libero darf nur als Hinterspieler agieren. Es ist ihm nicht erlaubt, einen Angriffsschlag, von wo auch immer (sowohl aus dem Spielfeld als auch aus der Freizone), ausführen, wenn sich der Ball im Augenblick der Berührung vollständig oberhalb der Netzoberkante befindet.
  2. Der Libero darf weder aufschlagen, blocken noch einen Blockversuch durchführen.
  3. Nach einem oberen Zuspiel des Liberos aus der Vorderzone (oder ihrer Verlängerung) darf der Angriff nicht oberhalb der Netzoberkannte ausgeführt werden. Erfolgt die gleiche Aktion des Liberos aus der Hinterzone, bestehen beim Angriff k e i n e Einschränkungen.
  4. Der Libero muß sein Trikot tragen, das sich in Farbe oder Design von demjenigen der anderen Mannschaftsmitglieder unterscheidet (Regel 4.3.5).
  5. Auswechslungen mit Beteiligung des Liberos zählen nicht als reguläre Auswechslungen und sind in ihrer Anzahl unbeschränkt. Es muß aber mindestens ein Spielzug zwischen zwei Auswechslungen liegen.
  6. Ein Libero darf das Spielfeld nur über die Seitenlinie vor seiner Mannschaftsbank zwischen Angriffslinie und Grundlinie und nur dann betreten oder verlassen, wenn der Ball aus dem Spiel ist und der Pfiff zur Ausführung des Aufschlags noch nicht erfolgt ist (auch vor dem Beginn eines Satzes).

8.5.4. Ersatz eines verletzten Liberos

  1. Mit Genehmigung des ersten Schiedsrichters darf ein verletzter Libero während des Spiels durch einen beliebigen auf dem Spielberichtsbogen eingetragenen Spieler ersetzt werden. Der verletzte Libero darf nicht wieder in das Spiel zurückkehren.
  2. Der Spieler, der den verletzten Libero ersetzt, agiert als Libero für den Rest des Spiels.

 

4. Aufschlagversuch (zu Regel 13.5):

Die Regel bezüglich des Aufschlagsversuchs wird ersatzlos gestrichen. Es gibt also zukünftig keinen Aufschlagversuch.

 

5. Sanktionen für Verzögerungen ( zu Regel 17.2):

Die Verwarnung wegen Verzögerung gilt nunmehr für das gesamte Spiel. Die zweite und die folgenden Verzögerungen jeglicher Art durch irgendein Mitglied der gleichen Mannschaft im gesamten Spiel werden mit einer Bestrafung wegen Verzögerung geahndet, mit der Folge eines Spielzugverlusts.

Bisher: Die Sanktionen für Verzögerungen zählen nur bis zum Ende des laufenden Satzes.

 

6. Unkorrektes Verhalten und Sanktionen (zu Regel 21):

Es werden nur noch drei Kategorien unkorrekten Verhaltens unterschieden: ungebührliches Verhalten (Verstoß gegen den Anstand oder die Moral, verächtliche Äußerungen), beleidigendes Verhalten und Tätlichkeit.

Bisher: Vier Kategorien

Es gibt eine neue Skala der Sanktionen. Der uns vorliegende Regeltext weicht erheblich von der vor dem FIVB-Kongress bekannten Vorlage ab, erscheint verwirrend und wird wohl noch diskutiert werden. Er muß derzeit wie folgt interpretiert werden:

Bei einem erstmaligen ungebührlichen Verhalten innerhalb einer Mannschaft durch irgendein Mannschaftsmitgied erfolgt keine Bestrafung, das Mannschaftsmitglied erhält verbal oder durch Handzeichen eine Verwarnung. Diese wird- ebenso wie die folgenden Sanktionen — im Spielberichtsbogen eingetragen.

Bisher: Ein erstmaliges ungebührliches Verhalten (im Sinne eines grob unsportlichen Verhaltens) wurde mit einer roten Karte für das betreffende Mannschaftsmitgied (mit Spielzugverlust) geahndet.

Für ein zweites ungebührliches Verhalten in einer Mannschaft durch ein anderes Mannschaftsmitglied wird diesem die gelbe Karte gezeigt und die Mannschaft mit einem Spielzugverlust bestraft.

Bisher: Ebenfalls rote Karte (mit Spielzugverlust) für das andere Mannschaftsmitglied.

Ein zweites ungebührliche Verhalten in einer Mannschaft durch das gleiche Mannschaftsmitglied wird mit einer Hinausstellung (Zeigen der roten Karte) geahndet. Außerdem erfolgt eine Hinausstellung nunmehr auch als "Erstbestrafung" bei beleidigendem Verhalten. Das hinausgestellte Mannschaftsmitglied bleibt auf der Mannschaftsbank sitzen.

Bisher: Eine Herausstellung erfolgte ausschließlich als stufenweise Sanktion bei Wiederholung (grob) unsportlichem Verhalten und das Verlassen des Wettkampfbereichs für den Rest des Satzes zur Folge.

Bei einem dritten ungebührlichen Verhalten in einer Mannschaft (eines beliebigen Mannschaftsmitglieds), bei wiederholtem beleidigendem Verhalten oder bei einer Tätlichkeit erfolgt eine Disqualifikation (mit Verlassen des Wettkampfbereichs), angezeigt durch eine gelbe und rote Karte.

Bisher: Eine Disqualifikation erfolgte bei (erstmaligem) beleidigendem Verhalten oder bei einer Tätlichkeit.

 

7. Handzeichen der Schiedsrichter ( zu Regel 22.2):

Die Reihenfolge der Handzeichen der Schiedsrichter ist nunmehr:

Der 1. Schiedsrichter zeigt an (nachdem er gepfiffen hat):

  1. die Mannschaft, die den Spielzug gewonnen hat;
  2. die Art des Fehlers
  3. den Spieler, der den Fehler begangen hat (falls erforderlich).

Der 2. Schiedsrichter zeigt an (nachdem er gepfiffen hat):

  1. die Art des Fehlers;
  2. den Spieler, der den Fehler begangen hat;
  3. die Mannschaft, die den Spielzug gewonnen hat.

Im Falle eines Doppelfehlers:

  1. die Art des Fehlers;
  2. die Spieler, die den Fehler begangen haben (falls erforderlich);
  3. die Mannschaft, die als nächste aufschlagen wird.

Bisher: Die Handzeichen des 2. Schiedsrichters erfolgen in derselben Reihenfolge wie beim 1. Schiedsrichter. Für den Fall eines Doppelfehlers gab es keine Festlegung der Reihenfolge.

Hinweis: Diese neuen Regeln wurden geliefert von Robert Schuster, Leipzig.