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bullet40 Jahre Priester
bulletKIM - Kreis junger Missionare
bulletDer Mensch steht im Mittelpunkt
bullet 40 Jahre Prister - 40 Jahre KIM - 26 Jahre Missionar

„Jubilate Deo!“ 

40 Jahre Priester

Je älter man wird, desto mehr Jubiläen gibt’s zu feiern. Die einen von diesen älter werdenden Menschen sind ganz gierig nach diesen Ehrungen, zumindest freuen sie sich darüber, den anderen ist das eher ein Greuel und eine Belastung für ihre Rentnerruhe.

Für diese Freude oder Tortur steht dieses Jahr nun auch P. Leeb auf dem Programm:
40 Jahre Priester im Dienst des Herrn.


Neupriester P. Hubert Leeb 1962 in seiner Heimatstadt Grieskirchen

Am Fest Peter und Paul im Jahre 1962 wurde P. Leeb im Dom zu Eichstätt vom damaligen Bischof Dr. Joseph Schröffer zum Priester für den Orden der Oblaten des hl. Franz von Sales geweiht.

Mich beschäftigt dieser Termin nicht deswegen, weil Leeb und mich besondere „Liebesbande“ verbinden würden (mein gespaltenes Verhältnis zu ihm habe ich ja vor Jahren in AMABRASIL in einem „Fortsetzungsroman: Der 50jährige Krieg“ geschildert), sondern weil Leeb mein Schicksal geworden ist. Seit nun fast 56 Jahren sind wir miteinander, manchmal nebeneinander, gelegentlich auch gegeneinander auf dem Weg.

Unser Weg hat begonnen in Huberts Heimatstadt Grieskirchen, Oberösterreich wohin es mich nach dem Krieg verschlagen hat. Unser erster Kontakt war schon einmal kriegerischer Natur. Wir haben uns kennen gelernt mit blutigen Nasen, die ich seinen Bandenmitgliedern geschlagen habe, denn Angriff ist die beste Verteidigung wie ich in Kriegszeiten als Nichtchrist gelernt habe. Aber Hubert hat seine Religion immer schon ernst genommen und hat Nächstenliebe an seinem Feind geübt. Er ist auf mich zugekommen und wir haben zwar nicht Freundschaft geschlossen, aber haben uns in Ruhe gelassen. Im Gymnasium sind wir dann wieder zwangsweise näher zusammengekommen und bis heute zusammen geblieben, weil wir ein gemeinsames Ziel hatten: die gute Botschaft des Christentums in den Menschen zu bewahren, indem wir uns als Ordenspriester in der Kirche engagieren.

Ich habe Hubert nie beneidet, sondern stets bewundert wie geschickt er seine Fähigkeit für diese Aufgabe eingesetzt hat. Und seine Talente sind vielfältig: ein ausgezeichneter Musiker, der aus dem Stegreif auf der Orgel oder am Klavier improvisieren konnte, der eine so hervorragender Schauspieler in der Ausbildungszeit am Gymnasium war, dass er sogar ein Angebot vom Landestheater in Linz hatte dort einzusteigen, der wie ein „Rattenfänger von Hameln“ die Jugendum sich scharen konnte durch sein Feuer, welches in im selber brannte, der auf jeden Menschen zugeht ohne Scheu und deshalb auch von vielen aufgesucht wurde, die Hilfe und Rat suchten, der aber auch den Menschen „auf den Wecker fallen“ konnte durch seine Hartnäckigkeit im Spendensammeln. All‘ das war von Jugend an ein missionarischer Drang, der in ganz erfüllte.

 KIM – Kreis Junger Missionare

Schon während der theologischen Ausbildungszeit in Eichstätt hat er nicht seine  ganze Freizeit für die Erholung „vergeudet“, sondern hat begonnen mit Gleichgesinnten, vertonte Lichtbildervorträge zusammen zu stellen, mit denen er dann in ganz Deutschland herumgezogen ist um junge Menschen für den Ordensberuf zu begeistern und dann schon bald damit für seine neue KIM-Idee zu werben. Der Kreis Junger Missionare ist also schon in diesen „Wanderjahren“ entstanden und natürlich nicht am Tag seiner Priesterweihe, den 29. Juni 1962. Man hat halt einen Fixpunkt gebraucht. Denn schon vor diesem Termin haben jugendliche „Horden“ unser Ausbildungskloster Salesianum in Eichstätt mit mehr Lärm erfüllt als es für ein Kloster üblich ist und so manchen älteren Mitbruder verschreckt und irritiert.


Oh Gott, so viel Lärm in einem Kloster

Nach der Beendigung seines Studiums in Eichstätt 1993 wurde P. Leeb als Erzieher in das neu übernommene Jugendheim Tilly in Ingolstadt „abkommandiert“. Da waren zunächst wieder alle seine Fähigkeiten gefragt, besonders sein Bettlertalent. Denn das Heim war in einem ruinösem Zustand.  Die Heizung war kaputt und der Winter stand vor der Tür. Aber auf fast wundersame Weise hat der Pater Sponsoren gefunden um das nötige Kapital zu besorgen und hat auch damit gleich Freunde gefunden, die seine KIM-Idee lange Jahre unterstützt haben. Diese Erfolge konnte Hubert deswegen verzeichnen, weil auch das eines seiner großen Talente ist, dass er sich an alle Menschen heran traute, ganz gleich ob es Obdachlose waren oder Ministerpräsidenten oder Kardinäle. Kardinal König von Wien und Kardinal Döpfner/München waren seine besonderen Lieblinge, die aber ihrerseits ihn sehr gefördert und beraten haben. Auch Papst Paul VI war vor ihm nicht sicher. Seit der österreichische Präsidentschaftskandidat Thomas Klestil P. Leeb in Vidigal besucht hat und dann auch Präsident geworden ist, gehört auch er zu seinen Förderern.


Präsidentschaftskandidat Dr. Thomas Klestil besucht das Afro-Brasil-Ballett
im Gemeindezentrum der Favela Vidigal in Rio
v.l.n.r.: Generalkonsul Meier, Dr. Th. Klestil, P. Leeb

Da es damals in den frühen Sechzigerjahren kaum einen Personalnotstand an Ordensleuten gab, konnte Hubert manchmal wochenlang für sein KIM unterwegs sein um die Gruppen in Deutschland zu besuchen. Die Schulferien waren stets mit KIM-Kursen ausgefüllt.


Bibelgespräch auf der grünen Wiese

Da gab es die Zusammenkünfte an Ostern an unterschiedlichen Orten um die Auferstehung des Herrn zu feiern. An Pfingsten traf man sich im Jugendhaus der Diözese Eichstätt in Pfünz, im Sommer war man auf der Winklmoosalm auf der Berghütte „Edelweiß“ der Gebirgsjäger der Bundeswehr, oder auf Schloß Hirschberg, hoch über dem Altmühltal und anschließend auf einer Ferienwoche im Gebirge.

So ist KIM ganz rasant gewachsen. Viele Geistliche haben sich für diese Jugendbewegung eingesetzt. Zur gleichen Zeit als mit der Errichung des KIM-Hauses begonnen wurde, hat P. Leeb vom Fürsten Waldburg-Zeil eine Almhütte für eine Mark zur Verfügung bekommen, die hauptsächlich durch die Comboni-Missionare ausgebaut wurde und bis heute von ihnen noch für KIM bereitgehalten wird. 1971 wurde das KIM-Haus durch den Bischof von Eichstätt eingeweiht. Das war dann eine Blütezeit für die Bewegung zumindest was die Mitgliederzahl betraf.


Einweihung der KIM-Zentrale durch Diözesanbischof Dr. Alois Brems/Eichstätt

Die kirchliche Hierarchie war allerdings nicht mit dieser Entwicklung zufrieden, dass das ursprüngliche Ziel für Priester- und Ordensberufe zu werben so „verwässert“ wurde. Hubert wollte einfach keinen elitären und behüteten Haufen, sondern viele junge Menschen für die Kirche gewinnen. Das es da von seiten der Bischöfe und Priester mehr und mehr Schwierigkeiten gab, hat dann bei ihm eine gewisse Mitlife-crisis ausgelöst und der Wunsch nach Veränderung der Lebenssituation wurde immer stärker. Aber er wollte weiterhin für KIM tätig sein! Sein Wunsch war es nämlich ein Entwicklungshilfe Projekt zu schaffen, wo die KIMler sich bewähren sollten in der rauhen Wirklichkeit der Nächstenliebe. Nicht nur davon zu reden, sondern tun! Doch weder seine Nachfolger in der Leitung vom KIM, noch die Ordensleitung hat sich für sein Brasilien-Projekt interessiert und so ist seine Reise nach Brasilien im Jahre 1976 zum Beginn seines ganz persönlichen, zweiten Lebenswerkes geworden.

Abschiedsgottesdienst: Brasilien ruft!
Abschiedsgottesdienst: Brasilien ruft!

 „Der Mensch steht im Mittelpunkt!“

Es war nicht leicht für Hubert in der fremden, exotischen Umgebung Fuß zu fassen. Er musste die Sprache lernen und Leute kennen lernen. Er musste sich klar werden, was und wie er etwas tun wollte um seinen Plan umzusetzen. Als er meinte einen Bischof gefunden zu haben, der auf seine Wünsche einging, wurde er allerdings arg enttäuscht, weil ihn der nur in eine Pfarrei stecken wollte, wo die Kirche zu sanieren war. Das war nicht nach dem Geschmack unseres Hubert, dafür ist er nicht nach Brasilien gekommen! So war er wieder auf seine Talente und sein unermeßliches Gottvertrauen gestellt. Nachdem bei ihm das gesunde Empfinden da war, dass Profan und Sakral, Himmel und Erde keine zwei getrennten Bereiche, sondern das gleiche Paar Stiefel sind, war es kein Zufall, dass gerade in einer Sambaschule seine Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte grund gelegt wurde. Mit dem Indiomädchen Joana ging er in deren Heimat Porto do Mato und unterwarf sich einem primitiven Leben wie man es sich nicht schlimmer ausdenken kann. In den Sümpfen Sergipes wuchs sein Traum heran.


Hausbesuch in den Sümpfen

Weil er selber erlebte wie schwer es für einen Europäer ist das harte Leben in weiter Ferne von der gewohnten Zivilisation auf Dauer durchzustehen, entschloß er sich für den erwarteten Ansturm der zum schweren Einsatz bereiten KIM-Jugend einen Erholungsort in der Favela Vidigal in Rio zu schaffen. Da ist wenigstens Großstadtluft! Der Grundstein war gelegt für beide Projekte. Die Jugend, die in tätiger Nächstenliebe sich üben sollte, ist zwar ausgeblieben außer gelegentlichen Besuchen, aber den Menschen der Region war geholfen. Porto do Mato ist in einem Vierteljahrhundert aus der Steinzeit in das Heute katapultiert worden dank der Hartnäckigkeit des Paters und den großzügigen Förderern in Deutschland und Österreich. Sein enormes Durchhaltevermögen gegen alle finanziellen, politischen, staatlichen und kirchlichen Widrigkeiten hat sich gelohnt, obwohl es ein übermenschlicher Kampf war. Der ehemalige Vorsitzende der Brasilianischen Bischofskonferenz Dom Luciano Mendes von Mariana hat anläßlich einer Konferenz in Rio zu Hubert gesagt: „Padre, Du bist wirklich ein Heiliger, weil Du soviel von Staat und Kirche ausgehalten hast!“

Aus den paar Schilfhütten Porto do Mato ist eine kleine Ortschaft geworden, die ganze Region entwickelt sich immer mehr zu einem Touristikgebiet, wo die Menschen auch vor Ort ihr Brot verdienen können. Die Kinder haben nicht nur ihre marode Grundschule, sondern ein Bildungszentrum, welches die uneingeschränkte Anerkennung des Staates hat.

Des Paters größtes Werk ist das Bildungszentrum Schulentlassfeier auf brasilianisch

Durch diese unablässigen Anstrengungen ist aus der vergessenen Halbinsel Porto doMato, welche vor der Ankunft des Padre nicht einmal eine Straßen- und Wegeverbindung zur zivilisierten Welt hatte, ein ganz passabler Ort geworden, der nun an der Küstenstraße „Linhaverde“ (Aracajú – Salvador) liegt. So kommt es nicht von ungefähr, dass Hubert mit der Ehrenbürgerwürde  des Bundesstaates Sergipe und der Landeshauptstadt Aracajú ausgezeichnet wurde. „Hoffnung bringen, wo Verzweiflung herrscht“ heißt der Spruch auf seinem Primizbild und der wurde hier wieder erfüllt. Man muss den Menschen zuerst das tägliche Brot geben, damit man ihnen die frohe Botschaft bringen kann. Es ist ihm stets um den Menschen gegangen! Er wollte niemals nur Entwicklungshelfer oder Baumeister sein, sondern immer Seelsorger.  So ist zuhoffen, dass all die negativen Auswirkungen dieser rasanten Entwicklung durch seine Begleitung als Priester aufgefangen und kompensiert werden.

 40 Jahre Priester – 40 Jahre KIM - 26 Jahre Missionar

Manches auf diesen Weg konnte ich hautnah selber miterleben, weil ich mitgearbeitet habe, manches war nur aus der Ferne mitzugehen. Meine Anteilnahme war immer dabei, auch wenn wir oft nicht einer Meinung waren. Denn ein gutes Auto braucht einen guten Motor und eine gute Bremse. Aber leider waren meine Bremsbeläge öfter abgenützt.

Am 29. Juni 1962 hat P. Leeb im Dom zu Eichstätt aus der Hand des späteren Kardinal Dr. Joseph Schröffer die Priesterweihe empfangen. Am 29. Juni 2002 wird er mit seiner Heimatgemeinde in Grieskirchen/Oberösterreich mit einem Festgottesdienst und anderen Feierlichkeiten dieses Jubiläum begehen.

Am 16. Juni 2002 wollen wir in Ingolstadt mit vielen ehemaligen KIMlern aus den sechziger und siebziger Jahren und natürlich mit seinen vielen Förderern sein Jubiläum feiern. Der Gottesdienst wird am Sonntag, den 16. Juni um 10.00 Uhr bei den Franziskanern sein. Zugleich wollen wir, weil wir mit einer Neubelebung der KIM erst am Anfang stehen, eine bescheidene Ausstellung organisieren, welche die vierzigjährige Geschichte von KIM etwas beleuchtet wird.

So wünschen wir unserem Jubilar Gottes Segen für seine Werke und noch viele Jahre seiner Schaffenskraft. KIM, sein erstes Werk, haben junge Menschen in die Hand genommen und führen es, so hoffen wir, zu einer neuen Blüte. Für die „kleine Stadt“ in Brasilien wünschen wir ihm sehnlichst eine ähnliche Verjüngungskur.

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