Aktuelles 2001
Startseite Aktuelles 2001 Die Schule Geschichte Finanzierung

 

Jahresbericht 2001 | Infrastruktur | Unsere klösterliche Gemeinschaft | Unsere Arbeitsbereiche | der Schulbetrieb | die Musikbanda | Unser Folklore-Ballet | die beiden Internate | Unsere Gäste | Unser Land | Unsere Aussenposten

Aktualitäten

Vielleicht müssen Sie lachen, wenn da die Rede ist von Aktuellem. Der letzte Bericht, den Sie hier gelesen haben, stammte aus dem Jahr 2000, als die hervorragende Folklore-Gruppe aus der Schule AVE MARIA in La Paz in Bayern ihr tolles Programm an verschiedenen Orten vorgeführt hat.

Leider kommen wir nur zu selten in dieses Land Bolivien, welches so wundervoll natur" belassen, aber in einer erschreckenden Armut geblieben ist, um regelmäßig davon zu berichten. Die Schwestern können uns kaum Berichte von ihrem Land und ihrer Arbeit geben, weil sie von früh bis spät im Dienste der Jugend stehen und ausgenommen ihrer zweistündigen Morgenmeditation auf diese Weise Gott, ihren Herrn, preisen. So soll der Jahresbericht 2001 allen Interessenten einen sehr spannenden Einblick geben in das Wirken der Zisterzienserinnen zum Wohle der bolivianischen Jugend.

 Liebe Freunde unseres Colegios!

1. November 2001

Gestern schloss die Schule, wenn auch nicht für alle, da so manche unserer Großen und Kleinen noch eine Nachprüfung zu leisten haben. Bis sie dazu am Montag, 5.11. die Ein- oder vielleicht besser gesagt, Vorladung in Händen haben, ließen wir unsere Lehrer zur Fertigstellung der Noten in La Paz zurück und verbringen nun eine stille, wenn auch nur kurze Zeit in unserem Ferienhaus in Sapahaqui, so recht die Zuflucht, um über das vergangene Jahr nachzudenken und Ihnen davon zu erzählen.

In unserer kleinen Kapelle hier hängt ein Marienbild in einem alten Rahmen aus der Frühzeit der Missionierung Boliviens. Das Gemälde selbst ist eine Nachbildung und zeigt Maria in der Festtagstracht der bäuerlichen Frauen  Boliviens mit Hut und Manta, dem gebräuchlichen Umhang, ihr Kind im Tragtuch auf dem Rücken. Und während die Mutter mit Rocken und Spindel an der Arbeit ist, blickt ihr Sohn, den warmen Chulu auf dem Kopf, mit wachen Augen im lieblichen Gesicht, über Ihre Schulter. Ein Bild, so recht geschaffen, um der Muttergottes immer wieder unser Haus und Land zu Füßen zu legen und um ihren Schutz zu bitten. Ihn brauchen wir in der Tat jeden Tag und jede Stunde.

In unserem von Unruhen bewegten Land.

Im Bereich der Politik hat man seit Jahren den Eindruck, dass die wirklich fähigen Führungskräfte fehlen und das Land der Spielball von Parteien ist. Zur Zeit setzt sich die Regierung aus vier sehr unterschiedlichen Parteien zusammen, denen klare Konzepte fehlen und weniger das Wohl der Bevölkerung, als vielmehr ihre eigenen Interessen am Herzen liegen. Etwas von Hoffnung auf eine bessere Führung keimte allerdings in den ersten Augusttagen auf. Hugo Banzer, ehemaliger Diktator und seit vier Jahren Staatspräsident, legte aus Gesundheitsgründen die Regierung nieder und übergab die Leitung des Staates seinem Vizepräsidenten Jorge "Quiroga. Er ist verhältnismäßig jung, voll guten Willens, nicht zurückhaltend in mutigen Entschlüssen und mit einem ziemlich klaren Programm ausgerüstet. Leider steht ihm nur ein Regierungsjahr zur Verfügung. Doch er beteuerte in seiner Antrittsrede immer wieder, dass er in einem Jahr die Arbeit von zweien leisten werde, und rief das Volk zu tatkräftiger Mitarbeit auf. Er selbst ist seit seinem Amtsantritt ohne Zweifel gemäß seinem Programm am Werk, doch der nicht sehr energiegeladene und mit wenig Verständnis für die Allgemeinheit gesegnete Bolivianer ist nicht so leicht bereit, sich dem vorgeschlagenen Tempo und Arbeitsrhythmus anzupassen und einiges von seinen Gewohnheiten aufzugeben. Er erwartet die Erfüllung aller Pläne und Vorschläge sofort und ruft nach Geld, besserer Lebenssituation und Wohlstand, ohne zu denken, dass dies Zeit braucht und auch ihn etwas kosten muss.

So machen sich nach wenigen Monaten bereits wieder Unzufriedenheit und Unruhe bemerkbar. Vor allem die Bauern sind abermals aktiv. Ihre Problematik ist eine sehr vielschichtige. Bei der Agrarreform 1952 hat man den Großgrundbesitz zerschlagen und das Land den Bauern zugesprochen. Dieses bestand für den einzelnen in der Regel aus kleinen, verstreut liegenden Äckern, die keine Grundlage für eine rentable Bewirtschaftung bildeten. Die neuen Besitzer verkauften und zogen in die Stadt, wo sie nun eine arbeitslose und arme Bevölkerungssicht bilden, die für alle Unruhen empfänglich ist. Anders ausgerichtet sind die Interessen der bäuerlichen Bevölkerung im Tiefland Boliviens, in den unermesslichen  Regionen von Savanne und Urwald. Teilweise drang die Agrarreform nicht bis zu diesen Gebieten vor, so dass sich der Großgrundbesitz erhielt und nun die so" genannte „Bevölkerung ohne Land“ nach ihren Rechten ruft. Dazu erklären sich auch viele der eingesessenen Urwaldstämme „ohne Land“, da man im Interesse der Erhaltung des Naturhaushalts vor allem weite Regionen des Amazonas zu Reservaten erklärte und damit den Lebensgewohnheiten der Menschen – Jagd und Fischfang, Rodung und Holzwirtschaft – Schranken setzte. Doch am meisten Schwierigkeiten gibt es bei den Cocabauern, deren Anpflanzungen auf Verlangen Nordamerikas ganz oder teilweise ausgerodet werden und dies mit militärischem Aufgebot. Hier gibt es immer wieder Zusammenstöße mit Verwundeten und Toten auf beiden Seiten. Den durch den Verlust der Cocapflanzungen geschädigten Campesinos empfiehlt man andere Produkte, für deren Absatz jedoch die nötigen Transportwege und Märkte fehlen. Auf Grund all dieser Tatsachen beginnen nach drei Monaten relativen Friedens wieder Unruhen, Straßenblockierungen, Streiks und Protestmärsche, die oft mit Gewalttätigkeiten enden. Unsere Vorstadtlage bewahrt uns zwar vor vielem, doch ist der an den neuen Teil unserer Schule angrenzende Cocamarkt eine nicht gerade angenehme Nachbarschaft.

Bei all diesen Unruhen wird man bisweilen an die Lehre von Marx erinnert, der das Industrieproletariat für die geschlossenste Gesellschaftsklasse erklärte, die eine ungeheure Macht darstelle, wenn man ihr nur ihre Situation zum Bewusstsein bringe. Nun, unsere Bauern haben ihre Führer gefunden; einer von ihnen beglückwünschte öffentlich die Urheber des Terroranschlages auf Nordamerika und saß selbst schon einmal wegen terroristischer Umtriebe im Gefängnis.

Wir selbst stehen mit unseren Bauern in Achocalla und Sapahqui auf freundschaftlichem Fuß, bezahlen unsere eigenen Mitarbeiter gut und helfen ganz allgemein, wo wir können, auch haben wir zahlreiche Landkinder von überall her an der Schule, Und doch tragen auch wir in uns immer eine leise Besorgnis; denn wenn der Mensch fanatisiert wird, vergisst er oft auch seine Freunde und überschreitet all seine Grenzen.

Infolge der Bauernunruhen konnten wir leider die auch in diesem Jahr geplante Fortbildungsreise mit unseren Lehrern nicht durchführen. Wir hatten unter Leitung eines uns befreundeten Bergwerksingenieurs eine Fahrt in ein Minengebiet geplant. Doch die Aussicht auf Straßenblockierungen und sonstige Misslichkeiten hielt uns davon ab. Allerdings erhielten wir in der großzügigen Schenkung von Mineralien, Halbedelsteinen, Fossilien und anderem wertvollen Anschauungsmaterial von Seiten unseres Reiseleiters einen schönen Ersatz.

Die Besorgnis, die wir wegen der ländlichen Unruhen in uns tragen, wandelt sich auf anderem Gebiet in ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertseins. Wir leben in einem solch unglaublichen Wust von Bürokratismus, Papier, Gesetzen, Dekreten und was es alles gibt, dass man oft kaum noch aus und ein weiß.

„Warum sind es denn nun schon sieben Formulare; es waren doch immer nur sechs?“, fragt Schwester Immolata in der Direktion Gonzalo, unseren zweiten Sekretär, der alle Außengeschäfte abwickelt. Er hebt hilflos die Schultern und erklärt: „Es sind jetzt eben soviele“. Nach Gründen zu fragen, ist zwecklos; es gibt sie nicht. Es sei denn, man ziehe in Rechnung, dass jedes Formular auch eine Einnahmequelle darstellt. Einsicht in unser Steuersystem zu gewinnen, ist fast nicht möglich, und den Instanzenweg einer Eingabe beim Unterrichtsministerium zu verfolgen, ein vergebliches Unterfangen. Seit sechs Jahren bemühen wir uns um eine offizielle Bestätigung des Lateinunterrichts an unserer Schule, Wir lehren Englisch und zur Wahl Deutsch oder Latein, das vor allem von guten Schülern sehr geschätzt ist und dem Spanischen wesentlich näher steht als Deutsch. Auch hilft es viel in gewissen Studienzweigen an der Universität. Also reichten wir hoffnungsvoll, wie gesagt vor geraumer Zeit, unsere Eingabe ein, hörten dann aber bei Nachfragen; sie sei noch nicht studiert, noch nicht weitergeleitet, müsse erst die juristische Prüfungsstelle passieren, die Gutachten der entsprechenden Techniker erhalten, man solle in zwei Wochen wieder vorstellig werden usw. Bei all diesem erschöpfte sich allmählich unser Vorrat an Geduld, wir stellten unsere Nachfragen ein und erfreuten unsere Schüler weiterhin mit „mensa, mensae, mensae, mensam“, mit Romulus und Remus, den Gänsen auf dem Kapitol und den Elefanten Hannibals. Doch irgendwann eines Tages wurde wieder eine Stimme laut: „Was ist denn mit der Erlaubnis für unser Latein?“ Dann wurde Gonzalo wieder auf den Weg geschickt. Aber es hatten inzwischen die entsprechenden Amtsträger gewechselt und schließlich war unsere Eingabe überhaupt nicht mehr auffindbar. Nun hat ein Schülervater, der Jurist ist, die Sache in die Hand genommen. Aber er scheint nicht viel erfolgreicher zu sein. Dabei kann es durchaus geschehen, daß wir eines Tages einen Strafzettel in Händen haben, weil wir eine Sprache lehren, die in unserem sehr ungenügenden Lehrplan nicht vorgesehen ist.

Das Gefühlt der Hilflosigkeit wandelt sich oftmals in leichte Angst, wenn es um Korruption und Bedrohung geht. Unser Steuerwesen ist, wie gesagt, undurchsichtig und unverständlich. Zweimal schon haben wir im Laufe der Jahre eine große Summe gezahlt, weil einem unserer Angestellten ein Versehen unterlief. Ein solches hat niemals eine sofortige Rückfrage der entsprechenden Institution zur Folge, sondern kommt nach Jahren in Form der Aufforderung zu einer riesigen Zahlungsleistung, die aus Strafsumme, Zinsen und Zinseszinsen besteht. Als uns vor zwei Jahren wiederum solch eine Anweisung zugestellt wurde, waren wir nicht mehr willens, darauf einzugehen und übergaben die Sache unserem Rechtsbeistand. Dabei war jener Steuerbeamte, der uns immer wieder bedrängte, unbefugt die Buchhaltung betrat und die dort arbeitende Sekretärin bedrohte, Einsicht in alle möglichen Dokumente verlangte, ein Schülervater. Die Direktion vermied er und ebenso ein Zusammentreffen mit unserem Rechtsanwalt. Monate um Monate ging dies so, mehrmals erhielten wir von uns bekannten Leuten eine Warnung – „Das ist ein ganz übler Erpresser“ – und schließlich kam er doch in die Direktion und leistete auch einer Vorladung unseres Advokaten Folge.

Dieser erzählte uns später: „Ein äußerst unangenehmer Typ, aber ich kann auch unangenehm werden, wenn ich will. „Was wollen Sie?“, fragte er, „Wollen Sie Geld?“ „Nein“, antwortete dieser, „Ich möchte, dass meine Frau im Colegio angestellt wird.“ Und unser Advokat meinte, dass es besser sei, für diese eine Arbeit zu finden als ständig einen Erpresser im Haus zu haben. Wir gaben ihr unseren Manuskriptladen, den sie zusammen mit Schwester Ines gut und mit großer Freundlichkeit verwaltet. Seitdem haben wir wieder Ruhe, aber wie lange.

Angst macht uns auch die wachsende Kriminalität, die Folge von Armut, Arbeitslosigkeit und Verlust moralischer Werte. Einer unserer Lehrer, ein verhältnismäßig junger Kunsterzieher, wurde nach tagelanger Suche ermordet auf einer Straße des Altos, unserer Satellitenstadt, aufgefunden. Immer wieder erschreckten uns Nachrichten von Überfällen, auch auf Lehrer und Schüler, wobei einmal ein Abiturient schwerstens verwundet wurde. Und während Schwester Cornelia eines Tages auf der Post beim Ausleeren des Schließfaches ihre Aufmerksamkeit auf eine klebrige Masse auf ihrem Jackenärmel richtete, wurde sie all ihrer Habseligkeiten beraubt, unter anderem ihrer Ausweispapiere und einer eben erstandenen schönen Hostienkapsel.

Und zu all dem kommt auf vielen Gebieten eine unfähige und inaktive Polizei. Wenn jemand nicht sofort Geld spielen lässt, wird er schwerlich polizeiliche Hilfe finden. Vor kurzem waren wir nachts mit dem Auto auf dem Heimweg. Auf einer Schnellstraße – soweit man bei uns davon reden kann – wären wir beinahe auf einen Lastwagen aufgefahren, der keinerlei Rücklichter hatte. Da wir uns bereits nahe der Straßenzollstelle befanden, beschwerten wir uns dort bei den diensthabenden Polizisten. Langsam setzte sich einer von ihnen in Bewegung, betrachtete die Rückseite des betreffenden Autos, nickte vor sich hin und erklärte, dass dies sehr gefährlich sei. Damit verschwand er wieder in seinem Häuschen. Es gibt zwar eine halbjährliche Autokontrolle, doch als unser Chauffeur mit einem unserer Wagen zur Revision fuhr und alles für gut befunden wurde, kehrte er mit vier Kontrollbestätigungen nach Hause zurück, denn man war der Ansicht, dass der gute Zustand eines Autos auch die Garantie für die anderen sei. Doch in den Tagen vor Weihnachten wird die Polizei aktiv. Man kann zwar nicht erwarten, dass sie sich um einen noch so katastrophalen Verkehr kümmert, doch sieht man die Wächter der Ordnung eifrig in ihren Büchlein schreiben. Nach einer Woche hat man dann erstaunt einen Strafzettel in der Hand, der einem zur Kenntnis bringt, dass man ein Rotlicht überfahren, falsch geparkt oder eine Einbahnstraße übersehen habe. Es stimmt nicht, aber alle Welt weiß, dass das Weihnachtsgeld für die Polizei beschafft werden muss. Sich zu wehren, hat keinen Sinn, denn dann kommt man in die Papiermühle, eine Sache sinfin, ohne Ende.

Aber unser Land ist eben auf dem Weg, und wie die Entwicklung eines Menschen  nicht ohne Krisen, Irr- und Umwege vor sich geht, so auch nicht die Entwicklung eines Volkes. Aber gerade ihr wollen wir all unsere Kräfte widmen und in unserem Colegio dienen. Und so zur

Situation in unserem Haus, in Konvent, Schule und Internat, in Achocalla und Sapahaqui.

Immer wieder einmal fragt man uns, wie denn die Spendengelder verwendet würden. Deshalb diesmal eine Antwort darauf. Wir möchten dabei von der ganz allgemeinen Situation ausgehen. Als Privatschule gelten wir vor dem Staat als Wirtschaftsunternehmen und sind dementsprechend in das gängige Steuersystem eingegliedert. Dies besagt für uns, dass wir jede Einnahme versteuern müssen, dabei jedoch die Gehälter und Löhne unserer Mitarbeiter nicht von der Steuer absetzen können. Denn ein Lehrer z. B. gilt als Produktionsmittel. Da wir dem seit der Gründung unseres Hauses bestehenden Grundsatz, eine gute Schule für die arme und weniger bemittelte Bevölkerung bereitzustellen und zu unterhalten, treu geblieben sind, bedeutet diese Situation für uns keine leichte Sache.

Wir haben mit einem Schulgeld von etwa 25 € die niedrigste Monatsquote einer guten Privatschule in La Paz. Familien mit mehreren Kindern genießen eine Abstufung, auch gibt es etwa 300-400 Schüler, die nichts, die Hälfte oder noch weniger bezahlen. Das Internat kostet monatlich 37,00 €, am Tag also nicht ganz 1,25 €. Dazu muss man bezüglich des Internats erwähnen, dass es nur wenige Eltern sind, die diese Summe leisten können, denn gerade hier haben wir viele Kinder von armen Bauern, aus zerrütteten Familien, von Gefängnisinsassen, auch solche, die niemanden mehr haben und ganz von uns abhängen.

Erschwert wird die finanzielle Situation noch dadurch, dass wir jährlich nur zehn Monatspensionen einheben dürfen, aber 13 bzw. 14 Gehälter bezahlen müssen, da es Weihnachtsgeld gibt und jeder ausscheidende Mitarbeiter eine Abfindung von je einem Monatsgehalt für ein abgeleistetes Arbeitsjahr bekommt, sehr große Summen, wenn ein Lehrer z. B. 20 Jahre bei uns gearbeitet hat. Dies, obwohl jeden Monat sehr hohe Summen für Krankenkasse, Altersversorgung usw. abzuführen sind.

Die Arbeitslöhne bewegen sich etwa zwischen 250,00 und 750,00 €. In diesem Jahr haben wir zwar die Gehälter, aber nicht die Schul- und Internatspension erhöht, um der schlechten wirtschaftlichen Situation Rechnung zu tragen. Doch stehen wir zu Ende jeden Monats vor der bangen Frage: Kommen wir zurecht oder müssen wir auf unsere finanziellen Reserven zurückgreifen, was uns eine gewisse Sicherheit nähme. Zu Ende jeden Jahres bleibt uns ohnehin kein anderer Ausweg.

"Infrastuktur"

Was unsere Infrastruktur betrifft, so waren wir in vergangen Jahren nicht sehr von wirtschaftlichen Sorgen geplagt. Wir konnten unseren ganzen neuen Schulteil mit einer zweimaligen großen Hilfe der Europäischen Union erstellen. Doch wurde nunmehr der Zugang zu den Geldern so erschwert, dass private Institutionen kaum mehr zum Zuge kommen. So haben wir im vergangen Jahr bereits das neue Schulgebäude für unsere Kleinen aus Spendengeldern erstellt und sind eben dabei, die Wohnverhältnisse in unserem Jungenheim zu verbessern. Unsere 50 Buben lebten bis jetzt in vier nicht sehr großen Schlafzimmern, ihren Speisesaal hatten sie in einem Klassenraum der Schule, und hier verbrachten sie auch ihre Studierzeit. Ab dem neuen Schuljahr im Februar werden sie in ihrem Bereich einen geräumigen Speisesaal mit Teeküche vorfinden, einen Studierraum und ein weiteres großes Schlafzimmer. Außerdem steht ihnen ein verhältnismäßig großer Garten zur Verfügung. Das Essen erhalten sie, wie bisher, aus der Internatsküche der Mädchen, die im Augenblick ebenfalls einer Restaurierung  unterzogen wird.

Dabei zählen unsere ältesten Gebäude nun bereits 30 Jahre und stammen aus einer Zeit, in der das Baugewerbe noch sehr in den Anfängen steckte. So bricht hier ein Wasserrohr, dort versagt die elektrische Leitung, Böden werden schadhaft, Eisenbalustraden sind angerostet... Eine Schraube ohne Ende und eine finanzielle Belastung ebenfalls sinfin.

Natürlich versuchen wir, uns in vielem selbst zu helfen durch eine rationale, einfache Lebensführung in unserem Konvent, aber vor allem durch unsere landwirtschaftlichen Produkte von Achocalla und Sapahaqui, die uns die Versorgung unserer Internate erleichtern.

Wir hoffen, liebe Freunde, dass wir Ihnen ein wenig Aufschluss hinsichtlich unserer wirtschaftlichen Lage geben konnten. Sie dürfen überzeugt sein, dass wir Ihre Spenden verantwortlich dort einsetzen, wo sie der Jugend und dem bolivianischen Volk dienen. Dabei wird uns immer wieder und immer mehr klar, dass Erziehung und Bildung die wichtigste Entwicklungshilfe darstellen. Industrie und Technik, Medizin und Geisteswissenschaft führen in keine glückliche Zukunft, wenn sie nicht von verantwortungsvollen, moralisch geformten, mit Wissen begabten und selbstlosen Menschen geleitet werden. Dazu wollen wir beitragen. Es ist kein leichtes Unterfangen, und oft bleibt der Erfolg aus oder zeigt sich erst viel später. Aber wir tun das Mögliche und finden dabei unsere Freude. Und somit einiges über

Unsere klösterliche Gemeinschaft.

Am Weihnachtsfest des vergangen Jahres legten unsere beiden Novizinnen, Schw. M. Petra und Schw. M. Patricia ihre erste Profess auf ein Jahr ab. Zugleich erhielt unsere Postulantin Paola das Ordenskleid und den Namen M. Ines (Agnes). Der Festfeier stand der Apostolische Nuntius von Bolivien, Mons. Josef Wesolowski vor. Mit Jahresbeginn führten dann unsere beiden Jungprofessinnen ihre Studien fort, Schw. Petra in Philosophie und Theologie am Priesterseminar und Schw. Patricia in Agronomie an der Staatlichen Universität. Beide machen bis jetzt ihre Sache gut. An ihrer Stelle hilft nun Schw. Ines im Haus, so dass wir anderen mit mehr Ruhe dem Schul- und Internatsdienst nachkommen können. Schw. Josefa ist nach ihrem schweren Schlaganfall vor mehreren Jahren mit Hilfe einer sehr guten Therapie weitgehend unabhängig geworden und hilft unserer Hausmutter Schw. Cristina Maria, wo sie kann. Gebe Gott, dass unseren drei jungen Mitschwestern weitere folgen; unser großer Aufgabenbereich bräuchte sie dringend.

Ein großes Fest stand im Mai an, das unsere Gemeinschaft allerdings nur im nachhinein feiern konnte. Am ersten des Monats beging Schw. Immolata ihr 50-jähriges Professjubiläum. Sie flog zur Feier dieses großen Jubeltages nach Deutschland, um zusammen mit den vier Mitschwestern, die mit ihr eingetreten waren, Gott zu danken und seinen weiteren Segen zu erbitten. Sie freute sich an einem überaus schön gestalteten Festgottesdienst, am Zusammensein mit den Mitschwestern in Seligenthal, an der Begegnung mit Verwandten, Freunden und Bekannten, aber auch am blühenden Klostergarten und dem grünenden Land um den Klosterhof in Wörnsdorf. Als sie nach La Paz zurückkehrte, sagten ihr die Bediensteten in der Flughalle bereits, dass sie von vielen Leuten erwartet werde, ihrer Koffer bemächtigte sich eilig ein Träger, der die Gepäckkontrolle keines Blickes würdigte, und außerhalb stand unsere festlich uniformierte Schulbanda und schmetterte die Bayernhymne zum blauen Himmel empor. Es war ihr wohl ebenso zumute wie Pater Sebastian Obermeier aus Rosenheim, der ebenfalls in La Paz wirkt und zufällig mit dem gleichen Flugzeug zurückkam. „Jetzsammawiedadahoam“, rief er mit ausgebreiteten Armen, als er die Passkontrolle hinter sich hatte. An den folgenden Tagen würdigten wir das große Jubiläum in unserer Gemeinschaft, und auch Lehrer und Personal, Eltern und Schüler versammelten sich zu einer Feierstunde in unserem großen Salon. Dabei wurde unserer Madre von Vertretern der Polizei ein Orden überreicht als „gerechte Anerkennung für das Bemühen um die Erziehung der Kinder und jungen Menschen unserer Gesellschaft“. Eine besondere Freude war es ihr, das unsere diesjährigen Abiturienten zum dritten Mal in den 20 Jahren ihres Wirkens in Bolivien bei der Toma de nombre ihren Namen als Leitbild über ihr letztes Schuljahr setzten.

Als wir im Juli drei Filmleute bei uns hatten und unter anderem über die Gründe befragt wurden, warum unsere Schule bereits 37 Jahre bestünde, während viele andere Entwicklungsprojekte oft nur von kurzer Dauer seien, führten wir in erster Linie unsere Gemeinschaft an. Sie gibt uns Halt, ist Ausgleich, wenn der Tag schwierig ist, in ihr finden wir Verständnis und Kraft, gemeinsam ein vielschichtiges und ausgedehntes Werk voranzuführen. Eine allein könnte wenig, aber zu Neunt schaffen wir viel. Und so wieder etwas über

Unsere Arbeitsbereiche.

In der Schule waren es heuer wieder 4.200 Kinder und Jugendliche, die jeden Tag aus und ein gingen. 1.800 Sechs- bis Zehnjährige auf der einen, 1.200 Große, unter die sich 250 Vier- und Fünfjährige mischten, auf der anderen Seite unserer Avenida machten diese jeden Tag um 8.15 Uhr und 12.30 Uhr zu einem Verkehrschaos. Unsere 1000 Mittelstufenschüler am Nachmittag verursachen weniger Probleme. Doch seit einiger Zeit arbeiten zusammen mit unseren beiden Schulpolizisten eine Schulbrigade von Mädchen und Jungen, die sich mit Disziplin und Höflichkeit vielen Ordnungsdiensten widmen und auch den Verkehr regelten. Mit Vergnügen beobachteten wir bisweilen, dass auch Erwachsene ihren Anordnungen Folge leisten, wenn sie sie z. B. zum Gottesdienst baten, falls sie zur Kirchenzeit innerhalb des Colegios einer anderen Tätigkeit nachgehen wollten. Wir selbst lassen darin eine gewisse Zurückhaltung walten, aber einem freundlichen Mädchen oder Jungen widersteht kaum jemand. Unsere jungen Polizeihelfer haben auch innerhalb der Schule ein wachsames Auge, wenn z. B. gestohlen wird oder ein Schüler den Verdacht erweckt, mit einer Jugendbande zu konspirieren.

Morgengebet"
Antreten zu Morgengebet und Tageslosung, zu Flaggenparade und Nationalhymnen (bolivianisch, deutsch, EU)

Der Schulbetrieb

verlief an sich ruhig, soweit man bei so" vielen Leuten von Ruhe sprechen kann. Ein großer Teil unsere Mannschaft schlug sich tapfer in allen Wissenszweigen, ein anderer schlenderte durch das Jahr und, wie immer, blieben auch manche auf der Strecke. Auch gehen die Zeichen der Zeit nicht spurlos an uns vorüber. Eine große Oberflächlichkeit macht uns zu schaffen, schreckliche Unkonzentriertheit erschwert den Unterricht – träumend lagert am Montag ein Abiturient in seiner Bank. „War es schön gestern in der Diskothek“, fragt Schw. Christine neben ihm; mit einem begeisterten „Ja“ fährt er hoch und merkt erst dann, dass es die unangebrachte Antwort war -, ein tief" greifender Materialismus führt manche auf unrechte Wege, und da und dort versuchen Schüler, aber noch mehr Eltern, der Korruption hinsichtlich der Notengebung auch bei uns einen kleinen Eingang zu verschaffen. Der ständige sexuelle Anreiz in Film, Fernsehen und Presse bleibt nicht ohne Wirkung, und manches Mal meinen wir, früher eine viel bessere Jugend gehabt zu haben. Doch dann versetzen uns wieder viele positive Züge in Erstaunen.

Handelt es sich z. B. um Hilfeleistung, so geht unsere zahlreiche Schülerschaft stets tatkräftig ans Werk. Zweimal in diesem Jahr stapelten sich Säcke, Kisten, Pakete, Matratzen, Spielzeug und vieles andere und warteten auf den Abtransport zu bäuerlichen Familien, die durch die starke Regenzeit Haus und Habe verloren hatten. Drei große, schwere Sammelbüchsen für die „abuelos“, die alten Leute, die infolge der fehlenden Sozialhilfe ja oft bittere Armut leiden, konnten wir der entsprechenden Organisation übergeben. Und wenn es um Einzelfälle geht, Krankenhausaufenthalt, Operationen, Unglücksfälle, findet sich stets ein mitfühlendes Herz und eine offene Hand bei unseren Schülern, auch wenn sie sicher nicht mit Reichtümern gesegnet sind. Eine besondere Anerkennung trug uns die Wegwerfflaschenaktion unserer Kinder ein. Wir führten sie zugunsten einer der La Pazer Baumschulen - die Flaschen werden zerteilt und als Blumentöpfe verwendet - im Rahmen einer Umweltschutzveranstaltung durch. Zum Dank erhielten wir mehrere hundert Bäumchen, mit denen wir unsere Aufforstung in Achocalla weiterführten. Vor allem unsere Kleinen entwickelten eine gewaltige Sammlerleidenschaft.

David, ein Drittklässler, suchte bei den großen Abfallkästen an den Straßen herum und veranlasste seine Großmutter, eine uns bekannte, immer gut gekleidete Dame, das Innere eines von ihnen zu untersuchen. Der Einstieg war leicht, das Herauskommen schwierig, wie man uns erzählte. Doch David kam strahlend mit einem großen Sack zur Schule.

Überrascht waren wir auch über Arbeiten unserer Abiturienten, die ihre Gedanken über das, was unsere Schule ihnen an Werten gab, zu Papier bringen sollten. Es kam, ganz allgemein gesehen, dabei eine solch positive Haltung zutage, dass wir uns sagen mussten: es lebt doch viel mehr an Gutem in unserer Jugend, als man oft vordergründig sieht. Doch lassen wir einige unserer Großen selbst zu Wort kommen:

„Ich kann in Wahrheit sagen, dass ich mein Colegio liebe und verehre, und ich glaube, dass ich mich in ihm auf die bestmögliche und gesündeste Weise erzogen habe.“ „Als ich in dieses Colegio eintragt, änderte sich mein Leben, denn in meiner vorherigen Schule legte man der Religion keinerlei Bedeutung bei. Nun weiß ich, dass das größte Geschenk, das uns Gott gab, das Leben ist und das Wissen, dass Gott uns liebt. Ich habe gelernt, meine Eltern zu schätzen und meiner Umwelt Gutes zu tun.“ „Das Studium im Colegio hat mich gelehrt, die Schwierigkeiten des Lebens in einer positiveren Weise zu sehen. Ich versuche mehr zu geben als zu empfangen, und dies gibt meinem Leben Freude.“ „Ich schätze am Colegio die gute und strikte Erziehung sowohl auf wissenschaftlichem als auch moralischem Gebiet. Insbesondere bin ich dankbar, dass man uns die Möglichkeit zum Empfang der Sakramente gibt und dass eine Schulkapelle zum Beten einlädt.“ „Ich glaube, dass ich die Werte, die man mir im Colegio nahelegte, auch in meinem künftigen Leben verwirklichen werde: Disziplin, Achtung vor den Menschen, die mich umgeben, Verantwortungsbewusstsein.“ „Dank dessen, was man uns im Colegio gelehrt hat, fühle ich mich nun fähig, in ein neues Leben  einzutreten, das für mich nicht leicht sein wird. Ich habe gelernt, verantwortlich und pünktlich zu sein, einen Rat anzunehmen und zu verzeihen, zur Wahrheit zu stehen und zu danken.“ „Dank dessen, was ich im Colegio gelernt habe, versuche ich in meiner Familie mehr Einheit zu schaffen. Im Augenblick ist sie sehr zerstritten. Doch im Colegio fühle ich immer wieder Erleichterung und Verständnis“. „Als ich in das Colegio und Internat eintrat, war ich weder ein guter Sohn noch ein guter Schüler, ja ich ließ mich sogar mit einer Jugendbande ein. Doch lernte ich in Schule und Heim sehr viel: Ehrfurcht vor Gott und Achtung vor dem Nächsten, Freundschaft, Mut, Aufrichtigkeit und Geduld, dazu die Annahme eines strengen Studiensystems. Was mich jedoch am tiefgreifendsten veränderte, war die Erfahrung von Toleranz und Verzeihung. Pedro (der Erzieher der Jungen, ehemaliger Schüler und nun Student der Theologie) bemerkte, dass aus seinem Zimmer immer wieder Geld entwendet wurde, bis eines Tages sein ganzer Monatslohn verschwand. Er sprach zu uns und bat den Schuldigen vorzutreten, denn er wolle, dass wir Mut und Stärke bewiesen und unsere Fehler einsehen. „Seid mutig“, forderte er uns auf, „und ich werde euch verzeihen.“ Und in derselben Nacht erschienen die sechs Schuldigen und erhielten keine Strafe, sondern Verzeihung und gute Lehre. Diese Ereignis ging mir sehr tief, und ich verstand viele, viele Dinge.“

Man könnte noch weit mehr der Aussagen unserer jungen Menschen anführen. Jedenfalls gab uns der fast nur positive Tenor erneut die Sicherheit, dass wir nicht vergeblich arbeiten.

Das beweisen uns auch immer wieder unsere ehemaligen Schüler, wenn sie von sich hören lassen oder wieder einmal bei uns hereinschauen. Im Bericht des vergangenen Jahres ließen wir Sie einen ziemlich weiten Blick in das Berufsleben unserer Exschüler tun. Deshalb dieses Mal nur ein paar Wege unter den vielen, die wir in nun bereits 17 Abiturjahrgängen angebahnt haben. Unser Pförtner Teddy, ein kleiner Mann mit fünf Kindern und in stetigen Geldschwierigkeiten, brauchte wieder einen Vorschuss, obwohl längst andere fällig gewesen wären. Sein ältester Sohn hatte im vergangenen Jahr Abitur gemacht. Er war ein guter, nicht ausgezeichneter Schüler, der in der Menge der anderen mehr oder weniger unterging. Nach den Abschlussprüfungen erklärte er seinem Vater, dass er die Pilotenlaufbahn einschlagen wolle, eine kostspielige Ausbildung. „Soll er die Aufnahmeprüfung machen; er wird sie ja doch nicht bestehen“, dachte Don Teddy. Aber er bestand sie als zweitbester Anwärter. Und so stand der Vater mit seiner Vorschussbitte wieder vor der Tür, um den Sohn auszustatten. Und dieser macht seitdem einen sehr guten Weg. Seit kurzer Zeit arbeitet Lionel, der sich dem Zahnarztberuf zugewandt hatte, an einem Universitätskonsultorium. Der erste Besuch für unsere Internen ist kostenlos und jede weitere Behandlung sehr billig. Auch erzählte man uns in eben diesen Tagen, dass man bei der Einschreibung in die Lehrerbildungsanstalt nach Schulen vorgeht. Kommt einer von irgendeinem Colegio, wird der möglicherweise zurückgewiesen, nennt er das unsere, ist er schon aufgenommen. Außerdem haben wieder einige unserer Ehemaligen als Mitarbeiter den Weg zu uns gefunden. Zwei Volksschullehrerinnen und ein Kunsterzieher. Es sind nun bereits 23 Exalumnos, die im Colegio beschäftigt sind.

Die erwähnten Schüleraussagen zeigen, dass unser religiöses Angebot offenbar sehr geschätzt wird. Auch in diesem Jahr durften wir der Kirche in drei Tauffeiern über 100 neue Christen zuführen, von Kleinkindern bis zu Abiturienten. Pfarrer Jakob Gramiller, unser stetiger Feriengast, machte unseren Viertklässlern die Erstbeichte zur Freude, und in sechs schönen Feiern führten wir unsere Erstkommunikanten zum Tisch des Herrn. Zum ersten Mal waren Jungen und Mädchen in einheitlicher Weise in eine weiße Tunika gekleidet, was einen ernsten und würdigen Anblick bot. Und an einem Abend im Oktober versammelten sich 120 Abiturienten zum Empfang des Firmsakraments. Es wurde von Mons. Gabor, Sekretär der Nuntiatur gespendet. Alle Anwesenden waren beglückt über die disziplinierte und ruhige Feier, die zwar zwei Stunden dauerte, aber niemanden zu lange schien. Unsere sonntäglichen Gottesdienste und auch die Schulmessen am Mittwoch Morgen sind gut besucht, und vor allem, wenn ein Fest trifft, wird unser großer Salon fast zu klein.

Musikbanda"
Die Musikbanda des Colegios bei einer Probe im kleinen Schulhof

Ebenso blühten die Künste wie eh und je. Die Musikbanda war unermüdlich am Üben und wurde immer wieder in und außerhalb der Stadt eingeladen, um besonderen Ereignissen mehr Festlichkeit zu verleihen. Die Stunde jedoch, in der sich der ganze Glanz einer Schulbanda entfaltet, bringt der Aufmarsch des Colegios an den Staatsfeiertagen im August.

Staatsdefile"
Ein seltenes Bild in unserer Welt, die Direktion unseres Colegios beim Staatsdefile

In der Presse war zu lesen: „... Ein deutscher Marsch lässt seine kriegerischen Töne erklingen, dargeboten von der Banda des ColegiosAve Maria. Trompeten, Posaunen, Klarinetten und Liras vereinigten ihre Töne mit anderen Instrumenten zu einer fast vollkommenen Darbietung. Die Uniformen der Musiker, Fahnenschwinger, Standartenträger und Guaripoleras (stabschwingende Mädchen) zeigen die occidentale Identität der Gruppe. Doch plötzlich verschaffen sich die unverwechselbaren Laute der Zamponas (Panflöten) einer heimischen Banda Gehör, die dem gleichen Colegio angehört; es sind die Zamponaris von Ave Maria. Die Reihen der Bläser führt ein Junge an, in die Tracht der Aymara (Indios des Altiplanos) gekleidet; er trägt den Poncho und weißen Filzhut über dem vielfarbigen Chulu und hat keinen Kommandostab in der Hand, sondern dirigiert seine Musikanten mit dem Ton des Pututu (besteht aus dem Horn eines Ochsen), der Kriegstrompete des Bergvolkes. Zu beiden Seiten begleitet ihn eine Gruppe von jungen Mädchen, die keine Guaripoleras sind, sondern Nustas (Jungfrauen der Inkas) in der traditionellen Tracht und die die Aymarafahne, die siebenfarbige Whipala schwingen.“ Eine schöne und liebenswürdige Wertung unserer Zamponaris, die ebenfalls stadtbekannt sind und viele Auszeichnungen erringen.

Die 37 Jahre unseres Bestehens feierten wir heuer neben einem Festgottesdienst und einem geselligen Beisammensein von Eltern, Lehrern und Schülern an einem Sonntagvormittag, mit einem abendlichen Galakonzert. Alles, was im Colegio singen, blasen, geigen und trommeln konnte, trat auf. Vor allem der Chor, das rhythmische Orchester und die Orff-Gruppe unserer Kleinen gewannen die Herzen der Zuhörer.

Folkloreballet
"Das Folklore-Ballett begeistert jedesmal die Zuschauer

Unser Folklore-Ballett

 erfreute in mehreren Vorstellungen das Jahr hindurch ein jeweils zahlreiches Publikum und oft hörte man: „Nun habe ich das Ballett schon zum fünften mal gesehen und immer wieder versetzt es mich in Begeisterung“. Und nicht nur unsere Großen, die im vergangen Jahr in Deutschland waren, tanzen mit Eleganz und Exaktheit, sondern auch schon unsere Mittleren und Kleinen. Beim Aufenthalt unserer Ballettgruppe in Deutschland begann ein Fernsehteam einen Film über sie zu  drehen. Im Juli dieses Jahres kamen sie zu uns nach La Paz, um die Arbeit weiterzuführen und im Konzept fertig zustellen. Schw. Christine begleitete sie als Adjutantin und war von der interessanten Arbeit sehr angetan. Der Film – den Titel wissen wir noch nicht – wird am 11. Dezember im Rahmen der Sendereihe „Stationen“ vom bayerischen Fernsehen ausgestrahlt werden. Wir laden sie dazu herzlich ein; nach den bisherigen Aussagen soll er schön geworden sein.

Neben Musik und Tanz gab es viel, für unsere Begriffe manchmal zuviel Sport. Aber darin ist offenbar die ganze Welt ohne Maß und Ziel.

Turnhalle
"Die riesige alte Fabrikhalle ergibt einige Turn- und Sportsäle für einige Klassen zur gleichen Zeit. Ein Stress für die Ohren!

Kaum hatten wir jeden Tag um 6.30 Uhr unsere Mittelstufe aus dem Haus, marschierten die Kleinen und Großen mit Sportanzug und Ball wieder herein. Ihr Ziel war unsere große Fabrikhalle, immer noch im Urzustand, wo der Betrieb dann bis 8.30 Uhr weiterging. Und zum Wochenende war alles von unseren fanatischen Wettkämpfern besetzt: die Fabrikhalle, der Gymnastiksaal und unsere drei Höfe. Dazu suchten unsere Pfadfinder jeweils noch einen Winkel für ihre Aktivitäten ..., während unsere Pförtner hüben und drüben einen stetigen Kampf mit Kindern und Jugendlichen führten, die nicht zur Schule gehörten, aber eben auch an den sportlichen Vergnügungen teilhaben wollten. Eingeleitet werden die sportlichen Betätigungen eines Jahres jeweils mit einem großen Fest, bei dem weder die Nationalhymnen und das olympische Feuer, noch der Schwur, die Wettkämpfe redlich durchzuführen, fehlen. Und da beim Einmarsch der sportlichen Gruppen Maskottchen mitgeführt werden dürfen, wandelt sich das Fest zu einer halben Tierschau, bei der es Hunde und Hündchen aller Farben und Rassen, Katzen und gelegentlich auch ein Äffchen zu bewundern gibt.

Als wir einmal bei einem Telefonat mit Padre Sebastian vom Alto fragten, wie es bei ihm gehe, sagte er: „Bei mir geht’s nicht, bei mir läuft’s“. Wir müssten fast sagen, bei uns rennt und stürmt es. Und doch dominiert in unserem schulischen Leben das Streben nach geistigen und moralischen Werten und das suchen nach innerer Vertiefung.

Waschtag
"Im Knaben-Inernat ist heute Waschtag

Unsere beiden Internate

 waren auch dieses Jahr voll besetzt und, wie schon gesagt, mit sehr verschiedenen Leuten. Ein ganz neuer Fall bot sich während der Schuleinschreibung im Februar, als sich in der Direktion zwei 18-jährige Mädchen einfanden und um Aufnahme in Schule und Internat baten. Bei näherer Befragung stellte sich heraus, dass es an sich Straßenmädchen waren, die niemanden hatten und sich bisher ihren Unterhalt auf jede mögliche Weise erwarben. Sie hatten sieben bzw. acht Schuljahre hinter sich und wollten durch eine weitere Ausbildung bessere Lebenschancen gewinnen. Wir waren zunächst skeptisch, denn wer konnte wissen, welche Erfahrungen sie mit sich brachten. Doch bettelten sie so inständig, dass wir schließlich den Versuch wagten. Und sie waren im Internat ruhige Elemente und im Colegio fleißige Schülerinnen. Man muss sehen, ob sie durchhalten oder ob sie eines Tages das ungebundene Leben der Straße wieder ruft. Doch dann haben sie wenigstens ein Jahr intensiven Lernens verbracht und tragen vielleicht etwas an inneren Werten in sich.

Zu großem Dank sind wir unseren diesjährigen freiwilligen Helferinnen verpflichtet. Senorita Eva Maria Zeis kam nach dem Abitur zu uns und Senorita Sabine Weingärtner leistete im Rahmen ihres Theologiestudiums ein soziales Jahr ab. Wir vertrauten ihnen die Kleinen - Erste bis Fünfte Klasse - des Mädcheninternats an, und sie widmeten sich ihnen mit aller Geduld und Liebe. Sie begleiteten sie den ganzen Tag über, beaufsichtigten ihre Schularbeiten, sorgten aber auch für eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit. Eva Maria wagte sich sogar mit einer Gruppe von internen Jungen und Mädchen auf die Bühne. Sie hatte Dürrenmatts „Besuch der alten Damen“ in spanischer Übersetzung entdeckt und machte sich mit großen und kleineren Schauspielern ans Werk. Dass auch jüngere Schüler mitwirkten, gab dem Stück einen besonderen Reiz, vor allem der Lehrer, ein 11-Jähriger, der den Leuten in seiner Trunkenheit die Wahrheit sagte, machte seine Sache ausgezeichnet. Das Stück war ein mutiger, aber auch sehr guter Versuch, der mit herzlichem Beifall des Publikums belohnt wurde. Und wenn wir in unserem Gästebuch von der Hand einer unserer Senoritas die folgenden Worte lesen: „Mir bleibt nur ein Dankeschön aus tiefstem Herzen. Bolivien ist das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte“, so sind diese Wort auch zugleich das Beste, was man uns sagen konnte. Denn Mitarbeiter und Freunde zu haben, sie unser Werk und Leben bejahen, empfinden wir als besonderes Geschenk Gottes und Quelle der Ermutigung. Diese Ermutigung geben uns auch vielfach

Unsere Gäste,

deren es in diesem Jahr viele gab. Den Anfang machte im Februar der Generalabt unseres Ordens, P. Maurus Esteva, zusammen mit P. Franz Neuner, dem Subprior der Abtei Stams in Österreich. Sie wollten das Kloster Apolo jenseits der bolivianischen Königskordillere besuchen. Doch infolge der starken Regenzeit, die Straßen und Brücken zerstörte und kleine Fluglandepisten in Seen und Sümpfe verwandelte, konnten sie ihr Ziel nicht erreichen. So mussten sie nach mehreren Tagen unverrichteter Dinge den Rückflug antreten. Wir selbst allerdings nützten die Zeit ihres Hierseins, um uns aus erster Quelle über alle Angelegenheiten unseres Ordens zu informieren. Aus unserem Kloster Seligenthal besuchte uns im Oktober Schwester Lioba, die vor allem in Achocalle und Sapahaqui ruhige Ferientage genoss, mit uns aber auch die Turbulenz der Schulschlusstage teilte. Zur gleichen Zeit war der deutsche Moraltheologe Dr. Bernhard Fraling unser Gast, mit dem wir viele interessante Gespräche führten. Eine große Freude war uns der Besuch unserer Annemarie (Frau Annemarie"Weinzierl), die vormals fünf Jahre mit uns gearbeitet hat. Sie setzte sich auch diesmal wieder sofort an den Schreibtisch, um unser Lateinmanuskript weiterzuführen. Auch unsere beiden ständigen Feriengäste, Pfarrer Jakob Gramiller und Dr. Pia Sedlmaier, kehrten für Tage und Wochen bei uns ein, beide große Wohltäter unseres Hauses. Zu ihnen gesellten sich zeitweise die Eltern und ein Onkel unserer Senorita Sabine, auch ihr Bruder mit zwei Freunden und die beiden Schwestern von Eva Maria fanden noch ein Plätzchen und waren glücklich mit ihm. Offensichtlich fühlte sich auch das Fernsehteam, Dr. Gernot Schley mit seinen beiden Kameraleuten Federico und Manuel bei uns recht wohl, denn im Gästebuch steht: „Ohne Euch wäre Bolivien nie so schön gewesen“.

Schließlich bleibt noch, über unsere Außenposten zu berichten.

Achocalla, das vor 20 Jahren ebenso dürftig begann wie wenig vorher das Colegio, hat sich inzwischen zu einer schönen und für uns unentbehrlichen Landwirtschaft entwickelt.


"Schwester Christine in der Mondlandschaft bei Achocalla

Die Küchen im Colegio, die täglich für 300 Interne und Halbinterne zu sorgen haben, erhalten von dort wesentliche Grundnahrungsmittel, Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Käse und vieles andere. Nur Mehl, Zucker und Öl belasten unsere Haushaltskasse, da Caritas ihre früheren Lebensmittelspenden für Heime eingestellt hat und unsere eigene Getreideproduktion z. B. für das Brot nicht ausreicht. Doch war die Kartoffelernte in diesem Jahr so ausgiebig, dass es am Pausenkiosk Pommes frites – gab, die klein und groß sehr schätzten, ebenso wie die Birnen aus Sapahaqui.

Ernte
"Mit Liebe und Fleiss wächst fast alles auch in 3800 m Höhe

Unsere Tiere machen uns viel Freude: Annamirl und Colon, Winnetou, Rih und Fury bilden unsere Pferdefamilie, die sich bei Aussaat und Ernte schneller und wirtschaftlicher als unsere beiden Handpflüge erweisen. Gitschi, Rosinante, Caputschina, Balaam und Pimperl sind unsere Esel. Zu ihnen kommen unsere 13 Kühe und Stiere mit, und unsere 150 Schweine ohne Namen, unsere Lamas Pedro, Juan und Jacoba, unsere 29 Schafe und Hasen und Meerschweinchen ohne Zahl, Hühner und Enten, deren Ehemann und Vater Saturnino mit heftigem Gekreische jeden Einbruch in seinen Bereich abwehrt. Neun Mitarbeiter betreuen unseren Hof und zeigen uns, was man mit freundschaftlicher Zusammenarbeit leisten kann. Jeden Donnerstag, wenn wir uns nach Pflanzen und Ernten, Besichtigungen und neuen Anweisungen wieder auf den Weg nach Hause machen, stehen sie an der Ausfahrt zur Straße und winken uns freundlich nach.

Dass wir vor nun genau zwei Jahren in Sapahaqui, einem Tal der Vorberge des Illimani, des 6.400 m hohen Wahrzeichens von La Paz, ein Grundstück mit Obstkultur erworben haben, wissen Sie bereits, liebe Freunde. Dieser Bereich entwickelt sich allmählich zur ergänzenden Einheit mit Achocalla. Da er etwa um 1.400 m tiefer liegt als das Colegio und Achocalla mit ihren rund 3.800 Höhenmetern, wächst dort alles nur Erdenkliche, Aprikosen, Pfirsiche, Birnen, Äpfel, Kaktusfrüchte unter vielem anderen, auch Mais, Bohnen, Erbsen und Kartoffeln. Diese waren im vergangen Jahr so groß, dass wir eines Abends von nicht einmal zweien lebten. Im Spaß sprachen wir von einer Meldung nach Seligenthal, dass das Abendessen unserer neunköpfigen Gemeinschaft aus eineinhalb Kartoffeln bestand; es würde dann sofort finanzieller Nachschub kommen.

Obwohl auf dem Grundstück ein größeres und vier kleinere bäuerliche Adobeshäuser standen, konnten wir wegen ihrer Schäden nie dort übernachten. Es gab weder Küche noch sanitäre Anlagen, die Holzböden waren schadhaft, die Wellblechdächer durchlöchert und die Balken – einfache Eukalyptusäste – von Termiten befallen. Es musste also etwas getan werden, damit wir in den Ferien ein wenig in die Tiefe kommen und uns von der Stadt etwas weiter absetzen konnten; denn diese rückt in Achocalla bedrohlich an unseren Bereich heran. Wir gaben also Sabino, dem Hausmeister des neueren Teiles des Colegios, der früher bei unserer Baufirma beschäftigt war, den Auftrag, am großen Haus die nötigen Restaurierungsarbeiten vorzunehmen, die überaus kleinen Fenster und Türen zu vergrößern, das Dach zu erneuern und vor allem Toiletten einzubauen. Er ging mit Feuereifer ans Werk, und wir betonten immer wieder, dass wir die für diese Gegend typische Gesamtstruktur des Hauses erhalten wissen wollten. Wir schauten einigemale nach und Sabino erklärte uns, wie er die Sache angehen und durchführen wolle. Doch eines Tages waren wir wieder auf Inspektionsreise. Wir bogen in die Einfahrt ein, stiegen aus, schauten und begriffen: es war kein Haus mehr da, sondern nur eine leere, saubere Fläche. Sabino sah betreten drein, unsere beiden Hüter erklärte wortreich, dass jeder Ziegel und jeder Balken seine Verwendung gefunden habe, was der Realität entsprach, denn sie hatten die zerschlagenen Erdziegel bereits auf den Garten verteilt und die Eukalyptusbalken zusammen mit Maschendraht für einen großen Käfig zum Vogelschutz unserer Aprikosenkultur verwendet. Was wirklich geschehen ist, wissen wir bis heute nicht. Es muss wohl etwas zusammengefallen oder herabgestürzt sein, bei einem Bau ohne Grundfesten, ohne einen Sack Zement oder eine Eisenstange kein Wunder. Wir übergaben die Erstellung eines neuen Hauses unserer Baufirma, und Sabino durfte zum Ausgleich ein Glashaus bauen, das uns schon seit vielen  Wochen mit Tomaten versorgt. Und nach einigen Monaten hatten wir ein reizendes Feriendomizil. Es ist dem alten Gebäude nachgebildet mit stämmigen quadratischen Säulen zu ebener Erde und runden im Oberstock. Es hat eine einfache Kapelle, sieben Schlafzimmer, einen Wohnraum mit offenem Feuer und eine kleine, helle Küche, natürlich auch die nötigen sanitären Einrichtungen. Wir nennen es unser „von Gott geschenktes Haus“, denn wir hatten nicht vor, uns ein neues Heim zu schaffen, doch sind wir nun sehr glücklich darüber. Bei der Einweihung gab ihm Schw. Immolata seinen Namen, den sie an sich vor Jahren schon unserem Grundstück in Achocalla geben wollte und der nun eine zweifache Bedeutung erhielt: „Sabinum“, die Bezeichnung des Landhauses von Horaz, dem römischen Dichter, in den Sabinerbergen vor Rom. Schw. Immolata war vor ihrem Wirken in Bolivien Latein- und Geschichtslehrerin und liebte überaus die antike Kultur. Doch war dies auch zufällig der Name dessen, der uns zum neuen Haus verholfen hatte, unseres Sabino. „Hoc erat in votis...“, schreibt Horaz in einer seiner Satiren: „Dies war immer mein Wunsch: ein Stück Land, nicht eben groß, wo es einen Garten gab und dem Haus benachbart eine nie versiegende Quelle, und oberhalb ein wenig Wald. Die Götter haben mir mehr und Besseres beschert. Mehr erbitte ich nicht.“

Dies war uns nun geschenkt: ein nicht zu großer Bereich, Bäume, Berge und auch ein Wasser, das durch den Garten fließt. Zwei Wochen unserer im Juni fälligen Winterferien verbrachten wir hier und fühlten uns in dieser tiefer gelegenen, wärmeren Gegend sehr wohl. Jeden Tag waren wir auf schmalen Pfaden im Flusstal, an den Berghängen, zwischen Baumkulturen oder Kakteenwäldchen auf dem Weg, wir freuten uns über die ersten Sonnenstrahlen am Morgen, die über die Berge kamen und uns beim Frühstück im Freien trafen, und genossen die Ruhe. Noch gibt es z. B. kein Fernsehen in diesem Tal. Einigemale hatten wir auch bereits Gäste wie z. B. Pfarrer Gramiller, der in unserer Kapelle die erste Messe zelebrierte und das Haus segnete, oder Professor Fraling, der hier stille Einkehrtage verbrachte. Zu Frühlingsanfang im September brachten unsere Autos eine Lehrergruppe nach hier, jene Kollegen, die vor 20 Jahren die ersten Mitarbeiter von Schw. Immolata waren. Wir feierten einen frohen Tag bei Gesprächen, Grill und Spaziergang. Gebe Gott, dass uns dieses Stück unberührter Natur lange erhalten bleibt und nicht von der noch recht wenig dominierten Zivilisation zerstört wird. Vorerst fährt man auf dem Weg dorthin noch immer durch weites Land, wo nur da und dort ein kleiner Bauernhof liegt und alte Chulpas – Inkagräber – Zeugnis von einer ruhmvollen Vergangenheit geben. Und immer noch stehen Kinder, die die Schafe hüten oder einen Esel führen, am Straßenrand und heben ihre Hüte oder Mützen hoch. Ein kleiner Junge, schmutzig und zerzaust, kommt ebenfalls an unser Wagenfenster heran und schaut mit erwartungsvollen Augen zu uns hoch. Und als er das Brot in seinem Hut hat, bedankt er sich höflich mit einem „Gracias, Caballero“ – Vielen Dank, mein Herr. Er hat sicher noch nie eine Klosterfrau gesehen und außerdem gibt es in seinem Erfahrungsbereich wohl nur eine Einheitsbezeichnung für fremde Leute.

Unser Land: faszinierend in der Verschiedenheit seiner Gegenden, aber öde und bedrückend in den ärmlichen Ansammlungen menschlicher Behausungen in verlassenen Dörfern und Vorstadtvierteln; bezaubernd in der Fülle seiner kulturellen Traditionen, aber abstoßend in der Verfallenheit des Menschen an Alkohol und Droge; überaus reich an allen Schätzen der Natur, aber arm an Erfindungsgeist und Energie; ein Land von vielen Möglichkeiten, doch mit Menschen, die den billigsten „Erzeugnissen“ der Zivilisation verfallen. Aber wir lieben Land und Leute und möchten nie müde werden, ihnen den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen und anzubahnen. „Sieht du dort den Stern?“, sagt der Kleine Prinz zum Fuchs, „Dort ist meine Rose, für die ich mich verantwortlich gemacht habe“.

Wir haben uns für unser Colegio und seinen weiten Aufgabenbereich verantwortlich gemacht. Und wir bitten Sie, liebe Freunde, wieder inständig, uns in unseren vielen Belangen zu helfen. Wir brauchen Ihre Freundschaft und Unterstützung, sind aber auch sicher, dass Gott Ihre Liebe lohnen wird.

Und so wünschen wir Ihnen, dass Sie besonders am Fest der Liebe, am Fest der Menschwerdung unseres Gottes, etwas von dieser Liebe erfahren dürfen, einer Liebe, die auch jeden Tag des neuen Jahres erwärmt und überstrahlt.

Ihre La Pazer Schwestern

M. Immolata, M. Christine, M. Cornelia, Cristina Maria, M. Josefa, M. Asunta, M. Petra,
M. Patricia, M. Ines und das ganze Haus